im Zeitschriftenhimmel

„Nur einen Monat vegetarisch zu leben, rettet statistisch gesehen 17 Tieren das Leben“ las ich irgendwann mal in meinen Neuigkeiten bei facebook. Das hört sich gut an. Auch wenn es nicht stimmt.

Also statistisch vielleicht schon – die Realität sieht wohl eher so aus, dass ich seit 30 Jahren vegetarisch und seit 5 Jahren vegan lebe und noch keinem einzigen Tier das Leben gerettet habe, außer vielleicht den Spinnen, die ich aus meiner Wohnung trage, wenn alle Zimmerecken belegt sind (eine Art kontrollierte Wohnpolitik) und den Ohrenkneifern, die immer ins Glas und hinaus müssen, wenn ich sie entdecke, bevor meine Katze sie einatmet. Wobei ich ja nichtmal ihnen das Leben rette, sondern sie einfach nicht umbringe. Ich habe schon immer Insekten aus meiner Wohnung getragen, auch schon, als ich noch Fleisch gegessen habe – allerdings auch manchmal nicht.

Doch obwohl mit der Realität derzeit nicht kompatibel, hat diese Statistik ihre Berechtigung. Eine moralische, eine emotionale, eine gedankliche vor allem – und aus Gedanken werden halt Dinge.

Wirkliche Veränderung findet immer nur von innen nach außen statt.

Ein Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung lebt vegan – und es werden immer mehr. Und obwohl grauenhafterweise heute mehr Tiere geschlachtet werden als je zuvor (und zu einem großen Teil exportiert werden oder auf dem Müll landen), liegt es in der Luft, dass die sichtbare Veränderung von einem Tag auf den anderen stattfindet. Dass der Bewusstseinswandel sich erst materialisiert, wenn er tatsächlich schon stattgefunden hat bei den meisten. Auf den Tag freue ich mich. Und bis dahin arbeite ich wie viele tausend andere im Hintergrund, hinterm Vorhang sozusagen.

Doch gibt es immer mal Kostproben, Symbole für den Wandel, der längst stattfindet, Zeichen auf dem Weg zum kompletten Bühnenbild einer veganen Gesellschaft:

Nach jahrelangem immer gelangweilterem Durchblättern von BRIGITTE, freundin und Co. und einem müden Gähnen, weil diese Zeitschriften gemäß dem Vegan-Trend nun auch immer ein Quotenrezept mit Sojasahne und eine Quotenbodylotion ohne Tierversuche hatten, schießen jetzt die Veganzeitschriften aus dem Boden und zwar gefühlt alle auf einmal. So ist es natürlich nicht. Manche gibt es schon seit Jahren, sie lagen bloß nicht im Zeitschriftenhandel herum, sondern mussten von Veganinteressierten bestellt werden. Soweit ich es überblicke, sind das eher die rezeptlastigen Zeitschriften.

Inzwischen gibt es nun aber auch echte Konkurrenz für Madame und Brigitte – und das scheint mir relativ neu. Also nicht die Idee, denn die hatte ich schon oft 😉 aber mit einem Schlag haben sie sich alle auf einmal materialisiert. Und sie sind gut. Sie sind sogar besser. Sie sind interessant, informativ, bunt und intelligent, elegant, sexy und cool. Sie sind keine Brigitte in vegan, sondern etwas junges, neues, frisches. Und einige haben nicht mal mehr das Wort vegan im Titel; das zeigt klar die Richtung (denn Tiere essen war gestern, das versteht sich von selbst), auch ist die Chance größer, dass sie im Zeitschriftenladen nicht zwischen den Kochmagazinen landen.

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Und ich kann endlich mal wieder, wie früher, einen Kaffee in einem Café mit einer Modezeitschrift genießen. Zum Beispiel. Es gibt natürlich auch eher rezept-, gesundheits- und familienorientierte Magazine, sogar mit Kinderseite (also Die kleine Brigitte in vegan) – aber meine Favoriten sind ganz klar Frauenzeitschriften mit Klamotten, Handtaschen, Nagellack, hübschen männlichen und weiblichen Models, Verreisen, Einrichten, ein bisschen Beziehung, ein bisschen Lifestyle – und Rezepte in Maßen. Und alle(s) vegan jetzt, was will ich mehr? 🙂

Auch an dieser Entwicklung zeigt sich für mich nun, dass wir nicht einfach für alle einen neuen Lebensstil erfinden und vorgeben wollen bzw. ihn erst umsetzen können, wenn alle mitmachen – oder statistisch bewiesen werden kann, dass wir uns nicht umsonst bemühen.

Nein, wir bemühen uns nicht mehr, wir leben es längst.

Von innen heraus. Und ob barfuß oder auf italienischen Designerschuhen: mit Spaß am Leben feiern wir das Leben. Von allem, von allen, von jedem. Eben das Leben für jeden.

4 Gedanken zu “im Zeitschriftenhimmel

  1. Jaaaa … Ich finds auch supi, dass es jetzt langsam mal vegane Zeitschriften gibt, die sich nicht nur auf Rezepte reduzieren … Da kann man sich ja schon auf den Herbst freuen: Regenwetter, Tee, Zeitschrift, Kekse 😃

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