zum Frühstück: Obst.

Vor fast 25 Jahren las ich das Buch „fit for life“ vom Ehepaar Diamond. Vermarktet wurde dieses Buch zwar derzeit als Schlankheits-Diät – die eigentliche Botschaft jedoch war die Vermittlung einer ganzheitlichen Lebensweise, die auf der Natürlichen Gesundheitslehre nach Dr. Herbert M. Shelton (1895-1985) basiert. Aus diesem Buch erfuhr ich zum Beispiel, dass Kühe nur Milch geben, nachdem sie ein Kalb geboren haben (und war irgendwie peinlich berührt, dass ich darüber noch nie nachgedacht hatte) und Milch demzufolge Muttermilch ist, die auf die besonderen Bedürfnisse des eigenen Kindes zugeschnitten ist. Und dass es vollkommener Blödsinn ist, zu glauben, man brauche als Erwachsener noch Muttermilch – und dann sogar auch noch artfremde.

Es ging jedoch in dem Buch nicht um Tierrechte, sondern wie zuvor auch Dr. Shelton wendete es sich seinerzeit mehr den gesundheitlichen Verirrungen bezüglich des Konsums tierischer Produkte zu. Milch war also geduldet, so wie andere ungesunde Sachen auch, grundsätzlich sei sie aber zu vermeiden. Mich veranlassten diese Informationen, Milchprodukte zukünftig als Genussmittel anzusehen und nicht mehr als Grundlage eines gesunden Frühstückes, was meinen Milchkonsum stark reduzierte und ich legte mir die ersten veganen Kochbücher zu. Und es veranlasste mich, den Tag mit Obst zu beginnen.

Ja, was damals neben der Milchsache meine Essgewohnheiten grundlegend verändert hat, war die Rolle, die laut Dr. Shelton und den Diamonds die Reihenfolge beim Essen für den Verdauungsprozess spielt und vor allem, welche Rolle diese Reihenfolge beim Essen von Obst spielt. Nun geht es nicht darum, sich anstatt mit Kalorienzählen jetzt damit zu quälen, was man vor etwas, zu etwas, nach etwas oder in welcher Reihenfolge auf keinen Fall essen darf. Sondern darum, zumindest eine Erklärungsmöglichkeit zu haben, falls es einem zum Beispiel nach dem raffiniert zusammengestellten 3-Gänge-Menü nicht so gut geht. Oder eben nach dem Obstverzehr.

Obst gehört zu den wichtigsten und nährstoffreichsten und die Verdauung am wenigsten belastenden aller Nahrungsmittel. Neben Vitaminen und Mineralstoffen enthält es Kohlenhydrate und Fettsäuren ebenso wie Aminosäuren für den Eiweißaufbau. Frisches Obst ist aufgrund der schnell verfügbaren Glukose das energiespendende Kraftpaket schlechthin.

Viele Menschen meinen jedoch, sie vertragen Obst nicht. Dazu ist es hilfreich zu wissen, dass Früchte, auf nüchternen (!) Magen gegessen, spätestens nach einer halben Stunde den Magen durchquert haben, also bevor sie anfangen, im Magen zu gären und Probleme zu verursachen. Essen wir das Obst jedoch nicht separat und nicht auf nüchternen Magen, so bleibt es länger dort liegen, als uns guttut – als Nachtisch eines deftigen Mittagsmahles kann es dann auch schonmal 5 Stunden im Magen vor sich hin gären. Und das verursacht meist Probleme wie Sodbrennen, Blähungen und mehr. Daraus ergibt sich die einfache Feststellung:

  • Obst immer separat und auf nüchternen Magen essen,
  • mindestens eine halbe Stunde warten, bevor danach etwas anderes gegessen wird,
  • am besten bis mittags nur Obst essen, denn bis mittags dauert der Ausscheidungszyklus des Körpers.

Während der Ausscheidungsphase, die lt. Dr. Shelton ungefähr zwischen 4 und 12 Uhr stattfindet, ist der Körper damit beschäftigt, aufzuräumen und zu entsorgen – wenn wir ihn lassen. Stoffwechselprodukte werden gelöst und ausgeschieden, über den Darm aber auch über Haut und Schleimhäute. Logischerweise ist es sinnvoll, erst die Abfallentsorgung zu beenden, bevor neuer Müll gesammelt wird – also bevor die nächste Mahlzeit beginnt und neue komplexe Verdauungsprozesse beginnen. Somit ist es naheliegend, während dieser Zeit zu fasten – oder Früchte zu essen. Obst stört den Ausscheidungszyklus nicht, da es eigene Verdauungsenzyme hat (je reifer es gegessen wird, umso besser), und somit nicht die energieraubenden chemischen Prozesse in Gang setzt, wie sie z. B. für die Verdauung von eiweiß-und fettreichen Nahrungsmitteln notwendig sind. Nebenbei reinigen die Früchte auch noch den Darm und dieser kann sich, wenn er gesund ist, ungehindert an den Nährstoffen bedienen.

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Für alle Smoothie-Liebhaber, die ihr Obst morgens lieber trinken: bitte das Einspeicheln nicht vergessen, um die Kohlenhydratverdauung, die im Mund beginnt, einzuleiten – und sollte doch Säure (anfangs) Probleme verursachen, so schaffen grüne Blätter im Smoothie eine basische Abhilfe. Bitte auch bedenken, dass Früchte bereits durch das Aufschneiden und noch mehr durch das Zerkleinern im Mixer durch die damit verbundene Oxidation bereits eine Menge an Nährstoffen einbüßen; deshalb den Smoothie so frisch wie möglich trinken!

Nun ist es natürlich nicht mein Anliegen, euch ein üppiges Sonntagsfrühstück zu vermiesen oder den Erdbeerbecher in der Eisdiele. Und wem seine Mahlzeit oder auch sein Smoothie aus einem Gemisch von Obst, Gemüse, Getreide, Fett und Eiweiß gut bekommt, der möge es genießen. Doch falls es schonmal Magengrummeln gibt, so haben wir hier ein gutes Erklärungsmodell – welches in der Praxis erprobt schon vielen Menschen Wohlbefinden brachte, sie auf einmal Obst vertragen ließ und – verbunden mit anderen Faktoren – insgesamt gesundheitsfördernd wirkt.

Auch ich entscheide mich manchmal für ein herkömmliches Frühstück oder auch, vor allem im Winter, für einen wärmenden Getreidebrei. Dennoch esse ich auch dann vorher Obst. Welches Obst? Da folge ich ganz meiner grundsätzlichen Ernährungsphilosophie: so regional und saisonal wie möglich und vor allem: das, worauf ich Appetit habe.

Falls ich dennoch mal, vielleicht bei einer Einladung, Früchte zum Dessert esse, dann entscheide ich mich eben bewusst für den Genuss und den besonderen Anlass und nehme das anschließende Bauchkneifen in Kauf. Wahrscheinlich muss ich das dann sowieso, denn vor dem Nachtisch habe ich in diesem Fall wohl auch schon maßlos Eiweiß, Kohlenhydrate und Fett vermischt und dann kommt es auf das Obst am Schluss auch nicht mehr an 😉

Nach einem solchen „Gelage“ kann ich meinen Körper am nächsten Tag wieder entlasten und beim Aufräumen unterstützen, indem ich ihn bis mittags in Ruhe lasse – und nur Obst esse. Und ansonsten im Hinterkopf habe, dass die Verdauung am besten funktioniert, je weniger ich kombiniere und durcheinander esse – und je mehr ich darauf achte, erst wieder zu essen, wenn der Magen leer und somit bereit für neue Arbeit ist (keine Sorge, er meldet sich dann).

Während das Verdauungssystem nach dem Obstverzehr bereits nach einer halben Stunde schon wieder einsatzfähig ist, kann das nach einem eiweißreichen Mahl 3-5 Stunden dauern. Und bei einer Mahlzeit aus vielen verschiedenen Komponenten kann es auch schonmal sein, dass der Magen aufgibt und die ganze Masse irgendwann resigniert dem Darm überlässt, der dann zusehen muss, wie er damit klarkommt. Viele Menschen überleben diese Art von Verdauung Jahrzehnte und denken, es sei normal, dass man nach dem Essen einen Schnaps braucht oder eine Remmi und sich trotz ausreichender Nährstoffzufuhr irgendwie schlapp und müde fühlt.

„Es ist nicht das, was man isst, was belebt, sondern das, was man verdaut und verwertet.“ sagte Dr. Shelton einst.

Gutes Essen zur richtigen Zeit und klug zusammengestellt sollte immer Energie schenken, anstatt sie zu rauben. Die Voraussetzung dafür schafft man oft jedoch erst dadurch, dass man auch weiß, wann man besser nicht isst.

Also einfach mal ausprobieren – und morgens erstmal abwarten, vielleicht Yoga machen 🙂 und Obst essen.


Literaturempfehlungen: „Fit fürs Leben – fit for life“ von Harvey und Marilyn Diamond (1985) – „Richtige Ernährung mit natürlicher Nahrung“ von Dr. Herbert M. Shelton                    (erste Veröffentlichung 1967)

8 Gedanken zu “zum Frühstück: Obst.

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