wie wir essen

Viele Menschen machen sich inzwischen sehr viele Gedanken darüber, was sie essen, doch auch wie wir essen hat einen größeren Einfluss auf unser gesamtes System als viele denken. Gesund zu essen bedeutet nicht nur, die Lebensmittel sorgfältig auszuwählen, die unserem Körper Energie spenden sollen – sondern auch zu bedenken, wie und wann man sie isst. Wir wissen inzwischen zum Beispiel fast alle, dass die Verdauung im Mund beginnt – doch setzen wir dieses Wissen auch um?

Ein gesunder Verdauungsprozess kann nur dann beginnen, wenn die Nahrung sich auch lange genug im Mund befindet – und damit uns mit vollem Mund nicht langweilig wird, gibt es eine tolle Fitnessübung, um diese Zeit sinnvoll auszufüllen: das Kauen. Das trainiert den Kiefer und lässt uns außerdem das Wasser im Munde zusammenlaufen. Und dieses „Wasser“ wiederum ändert seine Zusammensetzung je nachdem, was wir essen entsprechend der Notwendigkeiten zur Verdauung des jeweiligen Speisebreis. So wird im Mund das Enzym Ptyalin für die Kohlehydratverdauung gebildet, sofern es der Körper für nötig erachtet. Und ganz nebenbei wird beim Kauen auch noch das Essen zerkleinert, sodass der Magen es optimal weiter verwerten kann. Eine Info der Zusammensetzung des Essens geht außerdem an die weiteren Verdauungsorgane, die daraufhin entscheiden, welches optimale chemische Gebräu nun zusammengemischt werden muss, bevor die hoffentlich inzwischen recht gut zerkleinerte und mit dem Speichel vermischte Nahrung im Magen aufschlägt.

Nun ist es grundsätzlich schwierig, gleichzeitig sowohl kohlehydrat- als auch eiweißreiche Kost sorgfältig zu verdauen, das sollte man zumindest bei akuten Verdauungsproblemen berücksichtigen, bevor man sein System mit Säurehemmern, Medikamenten gegen Durchfall, Verstopfung oder Übelkeit oder auch Verdauungsschnäpsen zusätzlich verwirrt. Leider sind die meisten Verdauungssysteme diesen misslichen Zustand inzwischen gewöhnt und der Mensch findet es normal, dass es ihm nach dem Essen nicht so ganz gut geht. Auch der Körper gewöhnt sich an seine „Helfer“ aus der Apotheke und gibt es irgendwann möglicherweise auf, sich selbst helfen zu wollen. Doch jeder, der es schonmal ausprobiert hat, wird bestätigen können, dass eine Mahlzeit, die aus Gemüse und Eiweiß oder Gemüse und Kohlenhydraten besteht, leichter verdaulich ist, als ein üppiges Mahl aus viel von allem.

Besonders tierisches Eiweiß benötigt zur Verdauung viel Säure, warum es am längsten von allen im Magen verbleibt (und es ist natürlich fatal, wenn die Produktion dieser Magensäure ständig mit Medikamenten geblockt wird), während die Verdauung von Kohlenhydraten bereits im basischen Milieu des Mundes beginnt – vorausgesetzt, die Nahrung befindet sich lange genug im Mund und der Speichel wird durch das Kauen und Schmecken entsprechend angeregt.

dsc01078_wm.jpgWer ganze Pflanzen isst, profitiert neben der Abwesenheit von tierischem Protein noch von weiteren Vorzügen: die Pflanze bringt schon vieles mit, was der Mensch für ihre Verdauung benötigt, sie verdaut sich also teilweise schon selber, und die Informationen, die der Geschmackssinn dem Körper gibt, sind nicht gestört und verfälscht durch Aromen künstlicher oder raffinierter Nahrungsmittel (zum Beispiel durch raffinierten Zucker, der dem Körper vorgaukelt, die Kohlenhydratverdauung sei bereits erfolgt, sodass die Ptyalinbildung im Speichel ausbleibt).

Wir sehen also, die Notwendigkeit, aufmerksam und in Ruhe zu kauen, bezieht sich nicht „nur“ auf die Zerkleinerung der Nahrung, sondern verursacht zunächst einmal die richtige Zusammensetzung der Verdauungschemikalien. Hinzu kommt natürlich die ruhigere Atmung, die entsteht, wenn wir unsere Lebensmittel nicht hektisch herunterschlingen sondern bewusst kleinkauen. Der ganze Prozess ist gleichzeitig auch noch eine Form der Wertschätzung und Dankbarkeit für das Essen sowie eine Verlängerung des Genusses. Es ergibt sich daraus, dass der entspannte Prozess des Essens, im Sitzen natürlich und ohne innere Hektik, die Möglichkeit sehr reduziert, am Reizdarmsyndrom oder an sonstigen nervösen Verdauungsproblematiken zu erkranken, die sich auf Dauer zu handfesten Krankheiten entwickeln können. Schon allein durch tiefe Bauchatmung und langsames, achtsames Essen schlucken wir weniger Luft und begünstigen eine bessere Verdauung als es jegliche Verdauungshilfe aus der Apotheke vermag.

Eiweißreiche Lebensmittel oder Mahlzeiten sollten, da die Verdauung von Eiweiß am längsten dauert und im sauren Milieu des Magens erfolgen muss, möglichst als letztes gegessen werden, damit schneller Verdauliches im Magen nicht länger verbleiben muss als vorgesehen, denn auch das kann Beschwerden verursachen. Die Auswirkung der Reihenfolge beim Essen lässt sich besonders anschaulich bei Obst feststellen: viele Menschen denken, sie vertragen kein Obst, weil sie es zum Nachtisch essen, oder mal zwischendurch einen Apfel, obwohl die letzte Mahlzeit vielleicht noch keine vier Stunden her ist.

dsc01084_wm.jpgFestzustellen, dass Obst auf einmal ganz wunderbar verträglich ist, wenn es als erste Mahlzeit des Tages gegessen und natürlich gut im Mund zerkleinert wird, ist für manchen eine Offenbarung. Mehr dazu auch in meinem Artikel Zum Frühstück: Obst. Obst verdaut sich quasi selbst und ist, wenn der Magen leer ist, nach einer halben Stunde durch. Je wasserhaltiger die Früchte sind, desto schneller die Verdauung. So entfalten sie optimal ihre reinigende Wirkung und sorgen gleichzeitig für einen schnellen und ausgewogenen Vitaminschub. Muss das Obst jedoch im Magen nach einer komplexeren Mahlzeit erst auf deren Verdauung warten, dann fängt es an zu gären und verursacht Beschwerden. Eine eiweißreiche Mahlzeit kann bis zu acht Stunden im Magen bearbeitet werden, tierisches Eiweiß oft noch länger, der Apfel gammelt nun quasi oben drauf liegend langsam vor sich hin, verursacht Brennen oder Krämpfe und der Mensch denkt, es liegt am Apfel.

Eine grobe Einteilung des Tages, die eine gute Verdaulichkeit der Nahrung erhöht, wäre somit: bis mittags Früchte, mittags Kohlenhydrate und Gemüse, abends Protein und Gemüse. Grüne Blätter gehen immer. Raffinierte Öle meiden. Avocado, Sesammus, Oliven, Nüsse und Saaten in Maßen, hier einfach nach dem Appetit gehen. Und gerade zu schwerer verdaulichen Mahlzeiten nicht trinken, damit die Verdauungssäfte nicht verdünnt werden (und das Kauen nicht doch wieder verkürzt wird).

Ein weiterer Grund dafür, morgens so lange wie möglich entweder gar nichts oder nur Früchte bzw. einen grünen Smoothie zu sich zu nehmen, besteht darin, dass der Körper länger im (nächtlichen) Fasten- bzw. Entgiftungsmodus bleibt. Und natürlich funktioniert ein System besser, wenn Altes verbraucht und die Abfälle bereits entsorgt sind. Dass man nach dem Fasten langsam zu essen anfangen sollte, ist auch keine Neuigkeit, man nennt diesen Übergang auch Fastenbrechen, worauf sich das englische Wort für Frühstück (breakfast) bezieht. Zu frühstücken wie ein Kaiser kann also bedeuten, Datteln zu essen – nicht aber, üppig zu schlemmen 😉

Die gleiche Reihenfolge gilt natürlich auch innerhalb eines Menüs, wenn es doch mal alle Komponenten enthalten sollte. Zuerst die wasserreichen Lebensmittel, also Früchte, dann Salat, Gemüse und Kohlenhydrate, Eiweiß zum Schluss. Neben der besseren Verdaulichkeit ist ein weiterer Vorteil dieser Reihenfolge, dass der größte Hunger mit volumen- und vitaminreichen Lebensmitteln wie Gemüse und Salat bereits gestillt ist, bevor zum Schluss das „schwere“ Protein folgt, und wir folglich ohne Anstrengung weniger (leere) Kalorien zu uns nehmen. Also auch ein gesunder „Trick“ für Menschen, die einfach nur abnehmen möchten.

Wer sich morgens einen Smoothie also nur aus Obst und grünen Blättern macht, tut seinem Körper einen größeren Gefallen, als wenn er gleich noch Eiweiß- und Fettreiches hinzufügt. Der Mensch ist ein lebendiger, emotionaler, sich selbst erschaffender und intelligenter Organismus, es ist nicht damit getan, alles Gesunde auf einmal in den Körper hineinzuschütten und zu denken, nun habe man seine Schuldigkeit getan. Auch das Essen will gelebt und zelebriert sein. Natürlich kann das Obst morgens auch ganz traditionell gekaut werden 🙂 doch dann auch richtig, die Konsistenz der Nahrung, die den Mund in Richtung Magen verlässt, sollte am besten immer die eines Smoothies sein. Einen Smoothie jedoch, der mal eben im Stehen hinuntergekippt wird, ohne die Zeit zu haben, den Mund mit den entsprechenden Informationen versorgen zu können (siehe oben), sollte man sich lieber ganz sparen.

Grundsätzlich ist auch hier mal wieder weniger gleich mehr. Wer die Reihenfolge berücksichtigt und nicht alles durcheinander isst, der wird vielleicht schneller als erwartet seine Verdauung optimiert haben. Natürlich spielen auch noch viele andere Faktoren eine Rolle, je länger das WIE, aber auch das WAS wir essen, vernachlässigt wurden, desto mehr Geduld müssen wir unserem Körper entgegen bringen, damit er sich erholen und umstellen kann. Wichtig ist es wie immer, nicht etwas zu essen, was einen gerade nicht anspricht, egal wie gesund es sein soll. Ebenso sollten wir jedoch berücksichtigen, dass den Körper nicht etwas ansprechen kann, was er garnicht kennt, somit lohnt es sich durchaus, ihm unbekannte gesunde Nahrungsmittel immer mal wieder vorzustellen und anzubieten, damit er lernt, was er damit anfangen kann und wann er sie brauchen kann – und wann nicht. Und natürlich heißt es nicht im Umkehrschluss, dass alles, was uns anspricht, gut für den Körper ist – es ist eben einfach oft das einzige, was er kennt und aus dem er in Ermangelung eines Besseren bis jetzt das Beste gemacht hat. Und durch Geschmacksverstärker und raffinierten Zucker werden ihm oft auch noch Eigenschaften der Nahrung vorgetäuscht, die diese gar nicht hat.

Im günstigsten Fall immer, besonders jedoch wenn bereits Probleme vorhanden sind, sollte eine sorgfältige Nahrungsauswahl stattfinden und möglichst wenig Nahrung kombiniert werden. Heilsam kann es dann zumindest übergangsweise sein, nur ein bis zwei Lebensmittel pro Mahlzeit zu essen. Die Zeit zwischen den Mahlzeiten sollte mindestens vier Stunden dauern, um die Verdauungsarbeit in aller Ruhe erledigen zu können. Und natürlich gehört es immer dazu, wie eingangs beschrieben, den Vorgang des Kauens und des Atmens während des Essens wahrzunehmen und zu optimieren, was am einfachsten in einer ruhigen und entspannten Athmosphäre möglich ist. Ein Moment der Ruhe, bevor mit dem Essen begonnen wird, kann auch dann zum gesunden Ritual werden, wenn man nicht betet. Ebenso hilfreich ist der sogenannte Verdauungsspaziergang nach dem Essen, der die Organe massiert und durchblutet. Wer stundenlang weiter sitzt und direkt vom Esstisch aufs Sofa rutscht, blockiert den gesamten Verdauungsvorgang.

Der Effekt dieser kleinen Feinabstimmungen kann tatsächlich weitreichende Verbesserungen nach sich ziehen. Der Körper muss nicht mehr von außen gezwungen werden, Dinge zu verdauen, die nicht gut für ihn sind – sondern kann von innen heraus seine Arbeit (wieder) selbst erledigen, sein Verdauungsfeuer spüren und begünstigen und wird möglicherweise völlig neu erblühen. Und auch, wenn wir diese Verbesserungen nicht immer umsetzen können oder wollen, so kann dieses Wissen zumindest nach und nach probiert und – wenn für gut befunden – in den Alltag integriert werden.

Guten Appetit!

Quellen/Empfehlungen:

Erfolgreiche Umstellung auf Vitalkost-Ernährung von Stefan Kutter

Wir fressen uns zu Tode von Galina Schatalova

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