Yoga-Vidya individuell

Ich wollte Asanas, Meditation, tiefe Einsichten, viel Zeit zum Lesen, zum Schreiben, veganes Essen, wenig Ablenkung, schöne Landschaft, wache Sinne, nette Leute um mich herum mit ähnlichen Ansinnen. Also fuhr ich letzten Monat zu Yoga-Vidya nach Bad Meinberg. Und freute mich vor allem auf eins: Zeit. Zuhause scheint sie mir davonzurennen. Und während meines letzten Aufenthaltes in 2015 hatte ich auch keine Zeit für irgendetwas zwischen Unterricht, Essen und Yoga gehabt, da absolvierte ich nämlich die Ausbildung als Vegane Ernährungsberaterin – eine tolle Woche ist es dennoch gewesen mit tollen Leuten, eine lehrreiche Woche natürlich und eine ziemliche Hetzerei. Dank täglicher Meditation, Yoga und gutem Essen hatte jedoch selbst diese Ausbildungswoche einen insgesamt entspannenden Effekt. Besonders auch die Entspannung, die eintrat, als wir am letzten Tag nach bestandener Prüfung alle unser Zertifikat in den Händen hielten, war grenzenlos 🙂

Diesmal freute ich mich nun jedoch darauf, all die Dinge machen zu können, die im letzten Jahr angesichts des straffen Terminplans nicht möglich waren. Und ich freute mich auf das Ashram-Konzept, durch einen auch für Urlaubsgäste strukturierten Tagesablaufs das Wesentliche nicht dem Urlaub zu opfern und quasi um tägliches Yoga nicht herumzukommen..

Der Tagesablauf auch für sogenannte Individualgäste, wozu ich mich diesmal zählen durfte, sieht folgendermaßen aus: 7-8 Uhr Morgenmeditation und Satsang, 9.15 bis 10.45 Uhr Yoga/Asanas, 11 Uhr Brunch, 16.15 – 17.45 Uhr Yoga/Asanas, 18 Uhr Dinner, 20 Uhr Meditation und Satsang. Man hat also einen guten Rahmen, um den Tag nicht nur zu vertrödeln – und dennoch genug Zeit zum Lesen, Quatschen, Schreiben, Spazierengehen.

Theoretisch. Denn tatsächlich habe ich nicht mehr als eine Seite am Stück gelesen, bis auf ein paar SMS nichts geschrieben, habe meinen Laptop umsonst mitgenommen und hatte weder tiefe Einsichten noch Geistesblitze – ich habe nämlich die meiste Zeit zwischen Yoga, Meditation und Essen geschlafen. Der Körper holt sich, was er braucht, sobald er darf. Zurück kam ich jedoch wie immer, ob nach einem Wochenendseminar oder einer Ausbildung oder nun eben dieses Mal nach vier Tagen als Urlaubsgast: tiefenentspannt. Als hätte jemand die Reset-Taste gedrückt. Nicht spektakulär, ohne Vorsätze oder irgendetwas Greifbarem, was „es“ gebracht hätte, dieses Mal sogar ohne Zertifikat.

Aber auch diesmal habe ich wie immer etwas mitgenommen. Natürlich rettet man nicht alles in den Alltag zuhause hinüber. Muss man ja auch nicht. Wenn ich ein gutes Buch lese, setzte ich Weisheiten anderer auch nicht eins zu eins um. Sondern es ist mehr wie ein Einlesen neuer und natürlich von mir gefilterter Daten, die sich abstimmen mit meinen bisherigen Erkenntnissen, und teilweise in völlig anderen Kontexten dann an der Benutzeroberfläche erscheinen, wenn ich sie gerade benötige. Und ein paar Tage zweimal täglich meditieren und Asanas machen bringt IMMER etwas. Immer. Ob man will oder nicht. Auch wenn manch einer es anfangs komisch finden mag, dieses Mantrasingen und das frühe Aufstehenmüssen: keiner wird sich bei der Rückfahrt genauso fühlen wie bei der Hinfahrt.

Als ich mein erstes Wochenende bei Yoga Vidya im Westerwald vor über 15 Jahren verbrachte, waren 75% von mir ein einziger Widerstand gegen die Haus-Regeln, ich wollte Kaffee und eine rauchen und fand es überhaupt unmöglich, mir vorschreiben zu lassen, wie ich meinen Tag zu verbringen hätte. Doch ich habe es durchgezogen, denn schließlich war ich ja freiwillig genau deshalb hingefahren. Und natürlich hätte ich jederzeit gehen können. (Raucher können übrigens durchaus eine rauchen in recht schön gelegenen Raucherecken, natürlich draußen.) Obwohl es damals nur ein Wochenende war und ich mich auf meinen ersten Kaffee danach freute wie nur was: ich saß im Zug zurück und war so tiefenentspannt wie noch nie. Und auch, wenn man es dann zuhause wieder nicht regelmäßig macht, das Meditieren, das Nichtfernsehen – es bleibt immer etwas, was nicht mehr verschwindet.

Ein paar Tage in einem Ashram (und dann auch noch in einem so vergleichsweise komfortablen) kann für jeden hilfreich sein, der sich erholen will, Grundsteine legen oder sich runterfahren will, seine Yogapraxis vertiefen möchte, neue Erkenntnisse sucht, neue Menschen kennenlernen möchte oder auch einfach mal nur für sich sein und ohne selber kochen zu müssen gesund essen will. Wer sich während der Mahlzeiten auf sich, das Kauen oder auch ein Buch konzentrieren und dem quirligen Speiseraumtreiben entfliehen möchte, kann das in einem separaten Raum, in dem jeder für sich schweigend essen kann. Wer nicht „nur“ Urlaub machen möchte, kann natürlich auch eine der zahlreichen Seminare und Ausbildungen besuchen, die in einer solch intensiven Gemeinschaft sehr erfolgreich sind. Meiner Erfahrung nach, vor allem nach vorher stressigen Zeiten, braucht man 2-3 Tage, um wirklich anzukommen und eventuelle Verspannungen, Kaffeesüchte und sonstige Erschöpfungen zu überwinden. Wer also kann, sollte das zeitlich mit einplanen. Doch auch ein Wochenende kann schon viel bewirken.

Die Übernachtung kann jeder seinen persönlichen Vorlieben und Möglichkeiten entsprechend gestalten. Zwischen Schlafsaal, Einzelzimmer und Campen ist ab 35 Euro je Übernachtung alles möglich. Ich hatte für 78 Euro pro Nacht ein Einzelzimmer mit Duschbad – wer das teuer findet, sollte berücksichtigen, dass sich alle Preise inklusive veganer Bio-Vollverpflegung mit Getränken (Tee und Wasser den ganzen Tag über) und 2 ausgiebigen Yogaeinheiten pro Tag verstehen. Und natürlich inklusive der Teilnahme an Morgen- und Abendmeditationen, Mantrasingen, wobei sowohl Yoga als auch Meditation aus verschiedenen Angeboten für Anfänger und Fortgeschrittene gewählt werden können. Yogamatten, Decken und Yogakissen sind in jedem Raum genügend für alle vorhanden. Hinzu kommen Vorträge und Aktivitäten wie Nordic Walking, an denen jeder teilnehmen kann, der möchte. Wer noch mehr Wellness braucht (mir persönlich reichten die täglichen ausgiebigen Asanas), kann sich in der Ayurveda-Oase mit einer Massage verwöhnen lassen, die jedoch nicht im Preis inbegriffen ist. Die Zimmer sind einfach, zweckmäßig und natürlich ohne Zimmermädchenservice ;), es handelt sich trotz der äußeren Erscheinung nicht um ein Hotel, sondern um einen Ashram bzw. ein Seminarhaus.

Das Essen bei Yoga Vidya in Buffetform ist inzwischen fast ausschließlich vegan, vollwertig, frisch und lecker und es wird sehr bewusst und so regional wie möglich eingekauft. Es gibt noch ein paar extra gekennzeichnete Bio-Milchprodukte als Zugeständnis an die (meist älteren) Yogis, die offenbar an den alten Schriften hängen, in denen Kühe wohl noch ihre eigenen Babys stillen durften, bevor der indische Mensch nahm, was übrig blieb. Vielleicht gibt es das ja in Indien auch heute noch irgendwo.

Mir haben diese (natürlich veganen) ruhigen Tage sehr gut getan und ich hatte, wieder zuhause, eine tolle Grundlage, den Rest meines Urlaubs damit zu verbringen, eben doch ein paar neue Gewohnheiten zu integrieren, alte nicht wieder aufzunehmen und ein paar Dinge neu zu sortieren – zumal ich nun ja auch ausgeschlafen genug war, um sowohl innen als auch außen ordentlich um- und aufzuräumen 😀

Wer also mal auf andere Weise und vermutlich tiefergehender entspannen und regenerieren möchte als beim Strandurlaub, wer das dringende Bedürfnis nach einer Auszeit oder Neuorientierung hat, oder wer einfach seine Yogapraxis vertiefen möchte und es genießen kann, einen Teil der Tagesplanung vertrauensvoll abzugeben (oder sich darauf einlassen mag, letzteres einfach mal auszuprobieren),  dem  empfehle ich, ein paar Tage bei Yoga Vidya zu verbringen. Der Rest kommt ganz von selber.

10 Gedanken zu “Yoga-Vidya individuell

  1. Mein PC spinnt ein bissl…..sollte eigentlich stehen: Ich wusste gar nicht dass…..usw.
    Tschuldigung, hab es leider nicht vorher gesehen.

    Ich bewege mich zwar in einer anderen Meditationspraxis, aber kann nur sagen, dass Rückzug, Meditation, Yogaübungen und einee regelmässige Tagesroutine sehr wertvoll sind um wieder aufzutanken.
    Wenn man dann noch Zeit und ein bissl Geldenergie übrig hat, dann kann man sich vielleicht auch eine ayurvedische Massage gönnen, so so etwas angeboten wird, oder irgendwas Anderes, Schönes.

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  2. Kennst Du auch den Ashram in Springen ? Der von Vishwananda…..hatte mal zwei Kolleginnen die dort hin gegangen sind, soll auch ganz schön dort sein……allerdings glaub ich nicht dass die dort Yogakurse anbieten. Aber mal zum Ausspannen isses gut.

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