die Sache mit dem Fitnessclub

Um einen guten Vorsatz zum Jahreswechsel einzulösen und/oder um bis zum Frühling schön auszusehen, haben sich in diesem Monat viele Menschen im Fitnesscenter angemeldet, vielleicht gehörst du ja auch dazu.

Es ist ja ein offenes Geheimnis unter Fitnesstrainern, dass der Zauber, der jedem Anfang innewohnt, wie Hermann Hesse einst bereits treffend feststellte, in Punkto Fitnessclubs oft von einem Tag zum anderen wie weggezaubert ist. Deshalb muss man sich auch von überfüllten Clubs im Januar nicht abschrecken lassen, das gibt sich wieder. Doch es ist schade, denn Muskelaufbau ist eine tolle Sache – und in diesem Fall kostet es ja auch noch Geld, also ist es echt besser, hinzugehen. Wer sich zum ersten Mal in einem Fitnesscenter anmeldet bzw. sich noch nicht ganz sicher ist, ob das auf Dauer das Richtige ist (auch ein Probetraining kann einem diese Frage nicht immer beantworten), spart übrigens oft bares Geld,  wenn anfangs ein etwas teurerer, aber dafür kurzfristiger Tarif gewählt wird.

Nun sind die häufigsten Gründe für die Anmeldung im Studio gleichzeitig manchmal schlechte Ratgeber, um das Ganze dann auch wirklich über den ersten Monat hinaus durchzuziehen. Denn wem es nur um die Bikinifigur im nächsten Sommer oder auch die Angst vor gesundheitlichen Folgeerscheinungen des bisherigen Couchpotato-Daseins geht, dessen Atem wird eventuell nicht lang genug sein, um die Ergebnisse dann auch noch genießen zu können.

Beide Gründe animieren selten langfristig, sondern halten oft gerade so lange vor, bis der Vertrag unterschrieben und die ersten zwei Wochen herum ist. Wem es nur um’s Aussehen geht, wird meist ungeduldig, bevor echte Effekte sichtbar sind, übernimmt sich am Anfang und gibt dann frustriert auf. Und wer nur aus Angst trainiert, sonst noch kränker zu werden, naja, altes Lied: Angst ist ein schlechter Ratgeber, außer in akuten Notsituationen. In beiden Fällen wird schnell ein Versagensmuster draus, wenn man mal nicht geht, und das ist dann der erste Schritt zurück in die Bewegungslosigkeit.

Wer von Anfang an jedoch einen wirklich stichhaltigen Grund hat, der auch den bequemen Teil in uns überzeugt, dem wird es leichter fallen, diese neue Gewohnheit zu etablieren. Also vielleicht nochmal schnell die Gründe neu definieren und nochmal auf Anfang gehen, mit all dem Zauber und so. Und dann erst kommt die Selbstdisziplin, die ja zunächst nichts anderes bedeutet, als dass wir unser Verhalten reflektieren und achtsam und sinnvoll steuern und aufrechterhalten – und es ggf. auch immer mal wieder neu anpassen.

Sowohl Angst als auch Selbstzweifel sind ebenso wie der nächste Strandurlaub schlechte Ratgeber, wenn wir uns erfolgreich motivieren wollen, etwas bisher Ungewohntes zu einer lieben Gewohnheit zu machen. Die beste kurzfristige Motivation ist immer noch die Freude an der Sache: es geht um das Jetzt, wen wundert es, denn darum geht es ja immer.

Der Mensch, wenn er sich selbst denn artgerecht hält, braucht Bewegung, um gesund zu bleiben – und natürlicherweise erfreut er sich an dieser Bewegung ebenso wie an angemessenen Herausforderungen. Manchmal hat er das lediglich verlernt. Bewegung bringt uns in die Gegenwart. Jedes Mal, wenn der ganze Körper sich bewegt, verteilen sich durch die angeregte Durchblutung die (hoffentlich zahlreich) gegessenen Nährstoffe und der eingeatmete Sauerstoff im ganzen Körper und Abfallstoffe werden gleichzeitig abtransportiert und verdaut oder ausgeatmet. Bei zu wenig Bewegung wird selbst das gesündeste Essen nicht optimal ausgenutzt und Giftstoffe lagern sich ab und ein.

Durch die Bewegung wird der Blutdruck reguliert, Stresshormone werden abgebaut und der Körper wird warm. Jetzt sofort. Durch Muskeltraining nehmen wir den Körper wahr, vor allem, wenn wir die Bewegung mit der Ein- und Ausatmung verbinden und gleichzeitig darauf achten, nur die benötigten Muskeln anzuspannen, anstatt schnaufend Grimassen zu schneiden. Sind wir beim Krafttraining ganz mit uns im Hier und Jetzt, dann schult es gleichzeitig ganz wunderbar die Achtsamkeit und wir fühlen uns in unserem Körper zuhause. Die Körperspannung nimmt zu, die körperliche Anspannung nimmt ab. Jetzt sofort. Das Schwitzen schwemmt weitere Abfälle raus und die Haut klärt sich. Nicht erst im nächsten Sommer und auch nicht erst, wenn wir vor Sixpack strotzen, sondern sofort. Und, gerade jetzt bei Minusgraden eine gute Motivation: wir frieren nicht mehr, wenn wir danach raus gehen (aber bitte dennoch Haare föhnen und Jacke anziehen!)
.

Wenn ich also heute ins Fitnesscenter gehe (oder mich in einer anderen regelmäßigen Sportart übe), dann weiß ich, dass ich heute meinen Körper genießen kann. Und ich weiß auch, dass ich nachher gut durchblutet bis in die Fußspitzen und – oft entspannter und befreiter als nach einer Gesprächstherapie – mit einem Buch auf dem Sofa liegen kann, überheblich abgeklärt vor mich hingrinsend, weil ich ja da gewesen bin (natürlich, hats jemand bezweifelt?) Und ganz nebenbei werde ich besser schlafen und mehr Energie bevorraten – und das wird man mir auch ansehen. Ich kann mit Leichtigkeit bald doppelt so viele Einkaufstaschen tragen, auch wenn der Fahrstuhl mal ausfällt – und wenn jemand findet, dass ich schon wieder jünger aussehe als im letzten Jahr, kann ich sagen: das kommt alles von der pflanzlichen Ernährung 😉

imag2220_1.jpgWer nun Probleme hat mit der Regelmäßigkeit oder dazu neigt, sein Vorhaben „morgen geh ich aber echt“ immer wieder zu verschieben, dem rate ich zu einem realistischen Plan. Und zur Disziplin – keine Sorge, nur ganz kurz. Die braucht es nämlich nur am Anfang, bis der Gang in den Club zur Gewohnheit geworden ist. Zu einer lieben Gewohnheit, auf die man sich freut. Ca. 6 Wochen dauert es, bis eine Gewohnheit eine Gewohnheit geworden ist und in dieser Zeit gilt als oberste Priorität: hingehen! Alles andere ist erstmal egal. Man kann auch hingehen und nur sieben Minuten Radfahren. Und dann kann man ja weitersehn. Oder wieder weggehen. Aber erstmal hingehen, ohne Diskussion, ohne wenn und aber, Augen zu und hin. Und danach mächtig stolz auf sich sein.

Wer allerdings trotz Regelmäßigkeit und zunehmender Muskelwärme auch nach sechs Wochen immer noch mehr Widerstände als Freude verspürt, sollte dann doch mal überlegen, ob einem nicht auf Dauer eine andere Bewegungsart mehr entspricht. Oder den Trainingsplan ändern. Oder, wie ich gerade, das Studio wechseln.

Denn alleroberste Priorität hat natürlich: die Bewegung soll dir gut tun – und wenn sie dir nach allen selbstdisziplinarischen Maßnahmen und Selbsterkenntnissen einfach keine Freude macht, dann such dir was anderes. Man kann auch erstmal radfahren, tanzen, die Treppe nehmen, den Garten umgraben, zuhause Online-Kurse machen oder schwimmen gehen. Hauptsache, du bleibst in Bewegung.

Und lass dir auch im Fitnessclub nicht alles für gesund verkaufen, auch nicht das Protein, siehe dazu auch meinen Artikel über HighCarbs und Proteine.

Also dann: viel Spaß und halte durch, nur 6 Wochen, der Rest kommt ganz von selbst 🙂

 

 

 

 

 

3 Gedanken zu “die Sache mit dem Fitnessclub

    • Es hört sich lapidar an, doch hat es oberste Priorität: du musst dich wohlfühlen und Lust zum Trainieren bekommen, sobald du das Studio betrittst. Manchen reicht es schon als Motivation, wenn sie Langhanteln sehen, egal wo – ich persönlich hab gern auch noch ein ansprechendes und sauberes Ambiente um die Trainingsgeräte herum – und im Sommer eine Klimaanlage :). Nicht zu unterschätzen, um am Ball zu bleiben, sind außerdem eine gute Erreichbarkeit und die Öffnungszeiten. Beides kann man als ersten Filter bei der Auswahl benutzen und dann alle, die in Frage kommen, aufsuchen und schauen, wo du dich gut aufgehoben fühlst.

      Schau dir an, wie die Geräte aussehen, ob es ein für dich interessantes Kursangebot gibt, ob es eine Sauna gibt, falls du da gerne hingehst und wie neben dem Trainingsbereich Umkleideräume und Duschen aussehen (gibt es Föhne? hat man genug Platz, um sich umzuziehen? riecht es in der Dusche stockig bis schimmelig? würde ich mir unbedingt vor Abschluss eines Vertrages zeigen lassen, falls einem dieses Drumherum auch wichtig ist..).

      Wenn du bereits länger trainierst und weißt, was du willst und somit lieber dein eigenes Ding machst, ist nicht unbedingt ein super ausgebildeter Fitnesstrainer vor Ort nötig, obwohl es natürlich grundsätzlich für den Club spricht, wenn Service- und Trainerpersonal den Eindruck erwecken, als wüssten sie, was sie tun. Dir als Langzeit-Couchpotaoe 😉 empfehle ich jedoch unbedingt, auch auf die Ausbildung der Trainer zu achten und darauf, ob ein Eingangscheck gemacht und ein individueller Trainingsplan erstellt wird. Zweimal die Woche solltest du dann schon fest einplanen, wenn der Spaß bleiben soll.

      Ja, dann bleibt mir noch, dir gutes Gelingen zu wünschen!

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    • Dank mit Knicks! 😊 Jau, ich benötige definitiv gute Beratung und jemanden, der/die zwischendurch mal schaut, ob ichs wirklich richtig mache. Und das Ambiente im Studio um die Ecke (Enge, Gestank, Lärm, stehende Luft) hatte mich in der Tat erstmal so nachhaltig „beeindruckt“, dass ich keinen Bock mehr auf Muckibude hatte. Aber grundsätzlich bin ich ja „willig“! Und nun bin ich auch wieder motiviert! 👍

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