frohe Ostern?

Ostern ist das Fest der Auferstehung. Vielleicht kommt der heutige sorglose Umgang mit Hühnereiern, Lammkeulen und Hasenbraten aus einer flexiblen geistigen Ausgestaltung dieses christlichen Hintergrundes. Ich hoffe es natürlich (und zwar das ganze Jahr über), dass all die Tiere, die ihr Leben für den Menschen lassen mussten, in irgendeiner besseren (und zivilisierteren) Welt wieder auferstehen und für ihre Qualen entschädigt werden. Verlassen würde ich mich darauf jedoch nicht. Deshalb esse ich sie nicht mal zu Ostern.

Da ich nach wie vor unbeirrbar an das Gute im Menschen glaube, gehe ich davon aus, dass (trotz inzwischen zahlreicher Informationsquellen für jeden Menschen mit Internetanbindung) manche einfach immer noch nicht wissen, was sie tun.

Da gibt es Menschen, für die das Tier lediglich ein instinktgesteuertes Wesen ohne Zärtlichkeit, Angst oder Schmerzempfinden ist – bei manchen dieser Menschen hört diese Beschreibung interessanterweise auf, wenn es um ihr eigenes Haustier geht.

Und dann gibt es andere Menschen (oder auch die gleichen), die davon ausgehen, dass wir ja nur das machen, was wir immer schon gemacht haben und es deshalb richtig sei. Nun ist allein das schon ein Trugschluss, denn es ist nicht etwas deshalb richtig, weil es schon immer so gemacht wurde. Würden wir nach dieser Weisheit leben, dann würden wir noch in Höhlen hausen – wobei man eingestehen muss, dass es für die Erde inklusive aller Tiere wahrscheinlich gesünder wäre, wenn wir genau das noch täten.

Doch selbst, wenn wir diese Weltsicht mal so stehen lassen, ändert sie nichts an der Tatsache, dass der heutige Fleischverzehr des Menschen in keiner Weise noch irgend etwas damit zu tun hat, was „wir immer schon gemacht“ haben. Unser Höhlenmensch, wie sich nun kürzlich herausstellte, hat offenbar sehr viel mehr Pflanzen gegessen als viele bisher glaubten (Aktuelles zum Speiseplan des Neandertalers siehe hier) und der Mensch war wahrscheinlich schon immer und überall in der Lage, sich anzupassen und das zu essen, was es gerade gab. Je nach klimatischen Gegebenheiten versteht der menschliche Körper es, sich sein Protein zusammenzubauen aus dem, was da ist, ob aus Pflanze oder Tier. Und zumindest das war wohl tatsächlich schon immer so.

Was definitiv nicht immer so war und tatsächlich erst seit vergleichsweise ganz kurzer Zeit passiert, ist die mit dem Fleischverzehr verbundene Tierquälerei durch den sogenannten zivilisierten und gut organisierten Menschen. Und die aufgrund dieser lebensverachtenden Effizienz ermöglichte rasante Zunahme des Verzehrs tierischer Produkte.

 

Das, was wir hier tun in unserer „Zivilisation“, hat nichts mehr damit zu tun, rauszugehen und ein wildes Tier zu erlegen, um nicht zu verhungern. Was wir heute machen, ist die bis ins kleinste grausame Detail geplante Barbarei inklusive der bislang immer noch gut funktionierenden, jedoch langsam bröckelnden Organisation ihrer Vertuschung vor dem Verbraucher. Wenn Schlachthäuser aus Glas wären…, sagte einst Paul McCartney.

Und ich sage, wenn es nur die Schlachthäuser wären, dann wäre die Qual ja wenigstens zeitlich begrenzt. Aber das ist sie nicht. Sie beginnt mit der Geburt eines sogenannten Nutztiers. Und sie endet mit dem Tod. Dazwischen gibt es für ein Schwein, eine Milchkuh, ein Kalb, ein Masthuhn oder eine Legehenne, ein Kaninchen oder einen Zuchtfisch im Normalfall nicht einen einzigen schönen Moment. Das ganze Leben eine Qual, vom Moment der Geburt an: keine Aussicht auf Wärme, auf Zärtlichkeit, auf elterliches Behütetsein – möglicherweise haben es da die männlichen Küken, die gleich nach der Geburt geschreddert werden, noch am besten getroffen – doch das will ich gar nicht beurteilen müssen.

Kehren wir zurück zu Ostern und den Eiern. Genau wie Kuhmilch haben auch Eier eigentlich eine natürliche Bestimmung, die nichts mit dem Genuss und dem Profit für den Menschen zu tun haben. Nicht Kaffee Latte und das Backen von Kuchen hatte sich die Natur einst überlegt, sondern tatsächlich das Großziehen der eigenen Kinder.

 

Das ursprüngliche Huhn hat zehn bis zwanzig Eier im Jahr gelegt, ab und zu ging mal eins kaputt oder wurde geklaut und dann legte das Huhn eben ein weiteres. Diese seine Babys hat das Huhn dann geduldig ausgebrütet und liebevoll aufgezogen. Nicht umsonst bezeichnet man besonders fürsorgliche Menschen als Glucke.

Das Huhn, welches wir kennen (auch das relativ freilaufende) hat wohl mit dem Urhuhn nicht mehr allzu viel zu tun, denn heute werden Hühner (wie alle anderen Nutztiere auch) auf Profit gezüchtet, entweder zum Eierlegen (und das sind nicht mehr 20 im Jahr, sondern der geschundene Hühnerkörper muss bis zu 300 Eier im Jahr produzieren) oder zum Brathähnchen. Und da von Anfang an alles ordentlich getrennt wird und fast kein Huhn mehr seine Nachkommen aufzieht, muss man auch keine Familien auseinander reißen. Saubere Sache – Fließband statt Natur, und wer jetzt noch sagt, das haben wir immer schon so gemacht, der steht vielleicht einfach irgendwie auf dem Schlauch. Das kann passieren. Wissenswertes zum Huhn und dem Ei sowie leckere Alternativen gibt es hier.

Kommen wir zur Lammkeule. Bei sogenannter artgerechter Haltung werden hier tatsächlich glückliche Familien und Freunde auseinander gerissen und ich wunder mich immer wieder darüber, wenn jemandem das Fleisch besser schmeckt, weil es vorher glücklich war. Die Schafmutter wird es jedenfalls erstmal nicht mehr sein, nachdem man ihr Kind aus einem glücklichen Leben gerissen und in einem Schlachthof ohne Glaswände sein kurzes Leben wieder beendet hat. Vielleicht hofft sie, dass ihr Lamm zu den glücklichen Tieren im Schlachthaus gehört, bei denen die Betäubung wirkt.

Die Alternative wäre die Massentierhaltung, die schon vor dem Schlachthaus und dem Transport dorthin so furchtbar ist, dass die Tiere nach der Prozedur im Schlachthof dann wenigstens erlöst sind von ihrem leidvollen Leben. Und hoffentlich in einer besseren Welt wieder auferstehen. Mehr zum Osterlamm gibts hier. Das gleiche gilt für die Osterhasen bzw. Kaninchenbraten, siehe auch hier.

PSX_20141227_095155Doch wir sprachen über das Gute im Menschen. Trotz alledem bin ich nämlich überzeugt davon, dass die meisten es einfach nicht so genau wissen und es sonst nicht tun würden. Vielleicht auch es lieber nicht so genau wissen wollen, damit sie immer sagen können, sie hätten es nicht so genau gewusst.

 

So wie ich, als ich jahrelang noch weiter Milchprodukte und Eier konsumierte, aus Biohaltung zwar, aber dennoch: ich hätte es wissen können, auch derzeit noch ohne facebook und Veganblogs. Wir neigen alle dazu, bestimmte Dinge nicht so genau wissen zu wollen, weil wir mit einem bestimmten Wissen unser Verhalten ändern müssten, wenn wir nicht den Respekt vor uns selber verlieren wollen.

Nicht alles wissen zu wollen, ist manchmal auch notwendig, denn durch neue Erkenntnisse entstehen neue Baustellen und ständig verzetteln wollen wir uns ja auch nicht. Also versuchen wir sie nicht alle auf einmal zu schaffen. Das muss also jeder mit sich selber bereden, ob er es sich gerade leisten kann, eine neue Baustelle mit dem Schild „vegan werden“ auszuheben. Ich persönlich konnte den Hühnern und Kühen und vor allem mir selber irgendwann nicht mehr glaubhaft versichern, dass ich mich jetzt echt nicht auch noch damit verzetteln will, dass ich ihre Qualen nicht mehr weiter ignoriere.

Und vielleicht wird es ja dir eines Tages auch so gehen.

Mich hat es bereichert, mir meines Wissens immer bewusster und somit veganer zu werden und ich lerne immer noch dazu. Vor allem darüber, wieviel Zärtlichkeit und Würde, wieviel Fürsorge und Geduld – wieviel Leidensfähigkeit und Angst in jedem einzelnen Tier steckt. In jedem einzelnen Lebewesen.

 

Somit bete ich weiterhin für alle: für die Tiere, dass sie in einem Jenseits auferstehen mögen, dass sie würdigt und entschädigt für das, was Menschen ihnen angetan haben, und für den Menschen, dass er bereits im Diesseits aufwacht und wissen will, was er tut. Wer sich ein bisschen informieren will, hat ja oben im Text schon ein paar Links gefunden.

Für ein tolles Ostermenü ohne Tierleid bitte hier klicken. Oder einfach mal bei WordPress oder im ganzen Internet herumstöbern (unter „Rezepte vegan“ zum Beispiel). Gerne auch entsprechende Rezepte-Blogs und -links in die Kommentare!

Wer miterleben möchte, wie sogar nur auf Profit gezüchtete Nutztiere ein freies und liebevolles Leben finden, der kann sich hier auf Hof Butenland mal umschauen und sich über ein paar HappyEnds freuen. Jede einzelne Geschichte jedes einzelnen Wesens berührt und lässt hoffen.

Und zu guter Letzt noch eine gute Tat, die auch Menschen tun können, wenn sie noch nicht alles wissen wollen, aber dennoch schonmal wenigstens ein bisschen tun möchten: hier geht es zu einer Petition gegen Massentierhaltung – auch meine fleischessenden Freunde sind größtenteils laut eigener Angabe dagegen, also einfach diesem Link folgen und kurz unterschreiben, tut nicht weh und kostet nix. Vielen Dank 🙂

Ich wünsche allen lebenden Wesen dieser Erde und all den Auferstandenen in dieser oder jener Welt ein mit Nächstenliebe gesegnetes Osterfest.

7 Gedanken zu “frohe Ostern?

  1. zum fruchtbarkeitsfest (ostern) gehören die eier und der hase als symbol des frühlings und der fruchtbarkeit (das männchen heisst nicht ohne grund „rammler“). sexualität und fruchtbarkeit gehören zusammen. ich wünsche allen frohe festtage und viel spass beim ficken ❤ für den frieden.

    bei mir gibt’s zu ostern lamm:

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  2. Super Text – Klartext ohne Anklage! Wer ehrlich ist kennt diese Mechanismen. Auf Dauer ist Verdrängung und Wegschauen allerdings energieraubender als Hinschauen und das eigene Handeln anzupassen, denn beim Wegsehen wird die eigene Neugier und Echtheit durch Augenwischerei übertüncht. Und das Wissenwollen und Handeln muss ja auch nicht auf einen Schlag passieren, sondern geht auch Häppchenweise. Das kommt aufs Naturell an.Heute ist es auch leicht, andere Interessierte kennenzulernen und sich gemeinsam vorzuwagen.
    WER UNTERSTÜTZUNG MÖCHTE kann gewiss hier Fragen stellen oder auch uns (Stefan und Maria) gerne über unseren Blog anschreiben. In Sachen Ernährung ist natürlich Fitandfoodworld-Blogbetreiberin Janine als zertifizierte Vegane Ernährungsberaterin hier die erste Adresse. In Sachen Austausch, mentale Unterstützung oder Tipps zur Kommunikation mit Nichtveganern in Familie, Freundeskreis & Co. haben auch wir uns einen gewissen Erfahrungsschatz über die Jahre angeeignet. 🙂 Überhaupt ist es sehr hilfreich und vereinfacht Vieles, sich mit anderen Veganern zu vernetzen.
    Einsteigern sehr empfehlen können wir den „30 Tage Vegan-Kickstart“ von PETA, wo ca. alle 2 oder 3 Tage eine interessante Mail eintrudelt und jederzeit eine Ansprechperson per Mail oder WhatsApp erreichbar ist. Letzteres bieten andere Einsteigerprogramme bis dato noch nicht. http://www.petazwei.de/vegan-leben
    Uns persönlich hat auch sehr die „Vegan Taste Week“ der Albert-Schweizer-Stifung angesprochen. Überhaupt ist deren Seite auch ohne dieses 1-Woche-Newsletter-Abo einfach DIE QUELLE zum Stöbern. Sie bietet nicht nur einen guten Überblick über die Gründe, vegan zu leben, sondern sie präsentiert auch unfassbar geniale, gut umsetzbare Rezepte, teils von bekannten Veganköchen. Die Rezepte können gefiltert werden (z.B. nur Glutenfreies, bestimmte Anlässe usw.) und es finden sich sogar Wochenpläne! https://vegan-taste-week.de/
    Danke Janine für den inspirierenden Artikel – Gruß Maria

    Gefällt 2 Personen

    • danke liebe Maria für deinen Kommentar – und ja genau; Vernetzung mit anderen coolen und erfahrenen Veganern, so wie wir es sind 😉 ist auf jeden Fall bereichernd für jede/n, der/die Unterstützung und/oder Austausch möchte – und die Links sind auch sehr empfehlenswert, vielen Dank dafür und noch einen schönen Abend euch, LG Janine

      Gefällt 1 Person

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