Hamburg vegan

Trotz meiner Vorliebe für südlichere Gefielde war ich neulich mal wieder für zwei Tage in Hamburg – hat ja auch seinen Reiz: alles ist halt kühler, die Architektur ebenso wie der Wind, und es gibt sehr viel Wasser: die Alster, den Hafen, den Regen. Wir hatten nun einen Tag strahlenden Sonnenschein und einen Tag Regen mit Sturmböen, was für Hamburg ein ganz guter Durchschnitt sein soll. Den Sonnentag haben wir sehr genossen zwischen den Arkaden und einer Fahrt mit dem historischen Dampfschiff St. Georg bis in die Außenalster. Und aus dem Regentag haben wir natürlich auch das Beste gemacht: zum Beispiel mit der U-Bahn Linie 3 teils oberirdisch hin- und hergefahren und die Stadt angeschaut – und im Happenpappen gegessen 🙂 Letzteres war dann die Versöhnung schlechthin, denn das vegane Hamburg und ich hatten zunächst einen eher schlechten Start.

Als ich das letzte Mal in Hamburg gewesen bin, hatte ich mein „reisevegan“ noch etwas großzügiger ausgelegt als heutzutage und so kehrten wir derzeit ein ins schöne Bistro im Keller des Bucerius Kunst Forums  zum „täglichen vegetarischen großen Buffet“ und ich aß damals alles, was vegan aussah. Das war günstig und ganz lecker und vor allem zentral. Nun dachten wir, dass die Gastronomie, die vor fünf Jahren schon vegetarisch war, automatisch inzwischen zumindest veganfreundlich sei und gingen wieder dorthin. Ich fragte den Mitarbeiter, welche Gerichte vegan seien und er zeigte nach reiflicher Überlegung auf drei bis vier Salate, die alle eher langweilig aussahen (der lecker und echt vegan aussehende Kichererbsensalat hatte offenbar Milch in sich versteckt). Ich fragte, ob denn das warme Essen vegan sei und er antwortete, das sei ja Gemüse, also was solle daran nicht vegan sein. Schön, sagte ich, also keine Butter drin oder so? Ja natürlich sei da Butter drin, entgegnete er mir, schon wegen des Geschmacks. So aßen wir denn also stattdessen bei Starbuck’s schräg gegenüber jeder zwei leckere Kichererbsen-Wraps. Ohne Nachtisch, denn veganen Kuchen gab es dort leider nicht.

Auf dem Rückweg zum Hotel wollte ich dann im Kaufhof noch ein paar Brotaufstriche und Brötchen holen für einen Snack im Zimmer und wurde von der sehr netten Verkäuferin vor das Regal mit der Gänseleberpastete gestellt („aber gucken sie lieber nochmal, das ist vielleicht nicht alles vegan!“). Ich guckte also nochmal und fand irgendwann ganz woanders ein Regal, in dem vereinzelt vegane Brotaufstriche standen. Bioobst fand ich gar nicht. Ich sehnte mich nach Göttingen, was ich sehr selten tue.

Der Abend wurde dann schon versöhnlicher. Natürlich hatten wir dennoch – gesättigt von den Wraps – einen tollen Tag gehabt und das schöne Hamburg ebenso wie das schöne Wetter auf der Alster genossen. Auf HappyCow hatte ich in der Nähe vom Hotel ein veganes Restaurant gefunden und so gab es Dinner im Loving Hut, also asiatische Küche in vollkommen vegan. Mit Nachtisch natürlich. Sehr empfehlenswert!

Für den nächsten Tag war Regen angekündigt und so holten wir uns für 11,80 Euro ein Gruppen-Tagesticket für die U-Bahn und fuhren morgens zur Reeperbahn. Von hier fußläufig erreichbar gab es laut HappyCow mindestens drei Cafés mit veganen Frühstücksoptionen, die wir uns bei einem Spaziergang durchs Viertel alle anschauten und dann das Café Miller auswählten, welches auf der Speisekarte eine ganze Seite vegane Frühstücksideen anzubieten hatte. So ausgiebig hatten wir lange nicht mehr auswärts gefrühstückt, es gab von süß bis nordisch, von kalt bis gebraten, von klein bis groß alles , was man sich als Veganer auf einer Frühstückskarte wünscht und dann war es auch noch lecker.

Nun waren wir satt genug, uns die St.Pauli-Landungsbrücken im Regen anzuschauen (jedoch ohne Hafenrundfahrt im Regen, da die nächste erst in einer Stunde starten sollte und es, wie gesagt, regnete..). Bei Sonne hätten wir uns dann wahrscheinlich noch aufgemacht zum veganen Liberty Eiscafé am Fischmarkt, doch das verschoben wir somit auch. Stattdessen beobachteten wir, zurück in der City, eine Stunde lang aus dem trockenen Europacenter heraus genüsslich bei einem Kaffee das regennasse Treiben rund um die Arkaden. Um dann (natürlich mit der U-Bahn) zum Happenpappen aufzubrechen. Zum Glück bekamen wir in dem überaus gut besuchten Raum recht schnell einen Platz und schlemmten uns vom Lunch bis zu Kaffee und Torte durch. Das war so richtig was Feines. Da müsst ihr hin, wenn ihr in Hamburg seid. Auch wenn ihr nicht vegan lebt: es lohnt sich.

Am Abfahrtstag entdeckten wir dann noch zwei Möglichkeiten, falls einen in der Stadtmitte der Hunger überfällt und man nicht zu Starbuck’s möchte. Die hätten wir gerne schon am Anreisetag gewusst, dann wäre der erste Eindruck mit dem veganen Hamburg sicher ganz anders verlaufen 😉 Zum einen ist da das syrische Restaurant Saliba direkt in den Alster-Arkaden, das auf der Karte extra mit vegan gekennzeichnete Gerichte hat und aus dem es lecker roch, sehr lecker.. – wir haben es jedoch nicht mehr testen können. (Vielleicht war von euch schonmal jemand dort?)

Das andere ist das kleine Café Nasch, welches bei HappyCow unter vegetarisch (und nicht unter vegan) zu finden war, warum ich es am ersten Tag nicht gleich entdeckt hatte, als wir hungrig das „vegetarische Buffet“ verließen. Hier gibt es eigentlich alles, was man so braucht, wenn der Stadtbummel hungrig macht: vom Panini über das Tagesgericht bis zum Kuchen, alles auch zum Mitnehmen, alles vegan und sehr gut. Wir aßen hier einen leckeren Wrap vor der Rückfahrt und waren dann satt bis Göttingen.

Zurück in Göttingen resümiere ich: Hamburg ist schön und auch Hamburg hat tolle vegane Optionen – und viel mehr, als man in zwei Tagen probieren kann. Man muss vielleicht (momentan noch) ein bisschen mehr umherfahren (als zum Beispiel in München..), aber dann lohnt es sich. Auch bei Regen. Und nächstes Mal machen wir dann die große Hafenrundfahrt – auch bei Regen 😉

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