Wahrhaftigkeit

Es gibt ein paar Menschen, die glauben, dass Tiere nicht fühlen. Jedenfalls nicht so richtig mit Angst und Freude und Sorge und Liebe. Sie glauben eher, dass Tiere nur gesteuert werden durch ihre Reflexe und Instinkte und man sie somit auch ruhig züchten und zu Zwecken der Produktion von Fleisch, Milch und Eiern möglichst kostengünstig bis zur Tötung in platzsparenden Einrichtungen zwischenlagern kann. Diese Menschen essen Tierprodukte, sie leben nicht gegen ihre Überzeugungen und es geht ihnen damit gut.

(Randnotiz: Es gilt übrigens bis heute für manche Menschen nicht eindeutig als vom Menschen objektiv bewiesen, dass der Mensch nicht nur durch seine Instinkte gesteuert wird.)

Dann gibt es ein paar mehr Menschen, die glauben, dass Tiere ein bisschen fühlen. Auch haben sie bemerkt, dass die Produkte von Tieren qualitativ oft besser sind, wenn die Tiere vor ihrer Tötung nicht ganz so wenig Platz belegen, sondern an die frische Luft können, sich bewegen dürfen und natürliches Futter bekommen. Ob nun wegen der Produktqualität oder wegen der Zuneigung für Tiere: diese Menschen essen lieber Bio-Tiere und klopfen sich selbst auf die Schulter, weil sie es den Tieren erspart haben, lebendig gestapelt zu werden. Was sie ihnen alles nicht erspart haben, wissen sie nicht.

Und dann gibt es einige Menschen, die haben sich alles bewusst angesehen, was Tieren nicht erspart wird. Und sie haben gesehen, dass Tiere Angst haben, sich freuen, sich sorgen, sich umeinander kümmern und lieben, vor Schmerzen schreien oder ohnmächtig schweigen. Genauso wie wir. Zumindest konnten diese Menschen keinen eindeutigen Beweis dafür finden, dass Tiere nicht fühlen. Somit haben sie nach all dem Schrecklichen, was sie gesehen und erfahren haben, folgerichtig die Entscheidung getroffen, ab sofort alles zu lassen, was dieses Grausen offensichtlich unterstützt. Es ist keine neue Aktivität, für die sie sich entschieden haben, sondern einfach eine Unterlassung: sie konsumieren keine Tierprodukte mehr. So gut es eben geht im Alltag – logisch.

Einen Großteil der Gesellschaft machen jedoch die Menschen aus, die darauf konditioniert sind, ihre innere Stimme und ihr irrationales Verhalten mit konstanter Sturheit zu ignorieren: Sie wissen eigentlich, dass Tiere Angst haben und Schmerzen empfinden, dass Tiere lieber gestreichelt werden als getrieben, dass sie vertrauen möchten statt sich zu sorgen – um sich selbst und um ihre Kinder, dass sie ihre eigenen Entscheidungen treffen möchten und können. Diese Menschen unterhalten sich mit ihren Haustieren und tun alles, damit es diesen gut geht. Sie wissen, was mit den Tieren geschehen ist, deren Produkt auf ihrem Teller liegt. Dieser im Grunde völlig widersprüchlich agierende Mensch denkt nun, wenn er es sich nicht anschaut oder anhört und sich nicht mit Veganern unterhält, dann ist es auch irgendwie nicht real – und dann kann er weiterhin Tiere und ihre Milch und ihre Eier essen, obwohl er es furchtbar findet, was mit den Tieren vorher passiert ist – und schon ist zwar alles immer noch  fadenscheinig, aber gut. 

Gut ist es natürlich nicht. Und zwar nicht nur für die Tiere nicht. Denn dieser Mensch lebt gegen seine innere Überzeugung und unterdrückt sein eigenes Licht; seine Glaubwürdigkeit sich selbst gegenüber nimmt dadurch ab. Das gilt dann oft nicht nur für dieses Thema in seinem Leben. Aber das ist ein anderes Thema. Jedenfalls macht nicht zwingend allein das Fleisch so manchen krank, sondern eben auch der Geist, der gar so willig ist, sich für den kurzfristigen Genuss in Ignoranz zu üben – sich aber eigentlich damit dauerhaft einschränkt.

Dabei ist vegan zu werden ja nicht mal etwas, was man tun muss. Man braucht nur etwas sein zu lassen. Übrigens etwas, was eh furchtbar ist. Und wie wir ja wissen: wir lassen etwas los und schon ist der Geist wieder ein bisschen freier. Und somit der Mensch.

Und in diesem Fall die Tiere auch.

Win Win.

 

 

 

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