Bibel-Fest

In der Bibel steht ja viel, wenn der Tag lang ist und wie in allen alten Schriften kann sich jeder, der das möchte, genau die Stellen heraussuchen, die die persönliche Suche unterstützen – oder die eigenen Ansichten unterstreichen. Ich auch. Die Bibel ist von Menschen verfasst worden, die hier neben historischen Überlieferungen möglicherweise stattgefundene höhere (göttliche) Eingebungen widergeben, die ihnen wiederum meist von anderen Menschen erzählt wurden. Sodann wurden diese Schriften noch etliche Male übersetzt, gekürzt, gefiltert: es fielen diese oder jene Teile unter den Tisch, je nachdem, wer sie gerade zu welchem Zweck verstehen wollte. Auch enthält die Bibel (und ihre zahlreichen Ausfertigungen und Übersetzungen) bereits Interpretationen, die möglicherweise ursprünglich ganz anders gemeint, erzählt und aufgeschrieben wurden.

Aus einigen (auch noch meist aus dem Zusammenhang gerissenen) Bibelstellen also abzuleiten, dass der liebe Gott es gewollt hat, dass wir Tiere ihres natürlichen Lebensraumes berauben, sie einsperren und sie uns so zurecht züchten, dass sie wirtschaftlich rentabel sind, sie ihr Leben lang kontrollieren und ihnen zu unserem eigenen Vorteil Schmerzen zufügen, um sie dann, wie es uns gefällt, zu Essen zu verarbeiten, ist schon eindrucksvoll selbstgefällig und ignorant.

wp-1482234281440.jpgEinen Satz wie „alles, was sich regt und lebt, diene euch zur Nahrung;“ als Entschuldigung zu missbrauchen, andere Lebewesen für unseren Genuss zu quälen, ist so ziemlich das unchristlichste, was ich mir vorstellen kann.

Und ein bisschen widersinnig ist es auch, beim Gottesdienst für hungernde Kinder zu sammeln, um danach zuhause Tiere zu essen, für deren Zucht wir den hungernden Kindern Land und Getreide wegnehmen.

Wenn überhaupt, lässt uns Gott einfach die freie Wahl, ob wir unsere Macht missbrauchen – oder unsere Stärke benutzen, um Schwächere zu schützen und zu unterstützen. Aus dieser Entscheidung ergibt sich unser persönlicher Lebensweg jeden Tag aufs Neue.

Grundsätzlich brauchen wir keine alten Schriften, um zu wissen, was richtig ist. Dass wir nicht töten sollen, geht uns nicht erst auf, wenn wir die Bibel studieren. Doch wir können sie nutzen, um uns an das Richtige zu erinnern und es plastisch zu machen, es als Geschichte zu erzählen, unsere Intuition sichtbar zu machen, innere Fragen selbst zu beantworten oder auch ein Gefühl wieder heraufzubeschwören. Doch wo auch immer wir sie finden, die wesentliche Botschaft bleibt eben doch immer dieselbe: Liebe und achte jedes Leben. Wir sind alle miteinander verbunden und was du anderen antust, tust du dir selber an. Auch das Gute. Tu also was dich glücklich macht, hilf anderen, wenn du willst und kannst – und nimm ihnen vor allem nichts weg.

Auch nicht das Leben. Und schon gar nicht zu Weihnachten.

Es gibt keinen göttlichen Grund, ausgerechnet zum Fest der Liebe ein getötetes Tier auf den Tisch zu legen, obwohl es genug Pflanzen gibt, die uns mit allem versorgen, was wir brauchen und die uns sogar „schöner an Gestalt und weiser machen“ – jeder Veganer weiß das sowieso, doch – welch Wunder, es steht sogar schon in der Bibel:

„DAS BUCH DANIEL

Daniel und seine Freunde am babylonischen Hof: 1,1-21

11 Im dritten Jahr der Herrschaft des Königs Jojakim von Juda zog Nebukadnezzar, der König von Babel, gegen Jerusalem und belagerte es.

2 Und der Herr gab König Jojakim von Juda sowie einen Teil der Geräte aus dem Haus Gottes in Nebukadnezzars Gewalt. Er verschleppte sie in das Land Schinar, in den Tempel seines Gottes, die Geräte aber brachte er in das Schatzhaus seines Gottes.

3 Dann befahl der König seinem Oberkämmerer Aschpenas, einige junge Israeliten an den Hof zu bringen, Söhne von königlicher Abkunft oder wenigstens aus vornehmer Familie;

4 sie sollten frei von jedem Fehler sein, schön an Gestalt, in aller Weisheit unterrichtet und reich an Kenntnissen; sie sollten einsichtig und verständig sein und geeignet, im Palast des Königs Dienst zu tun; Aschpenas sollte sie auch in Schrift und Sprache der Chaldäer unterrichten.

5 Als tägliche Kost wies ihnen der König Speisen und Wein von der königlichen Tafel zu. Sie sollten drei Jahre lang ausgebildet werden und dann in den Dienst des Königs treten.

6 Unter diesen jungen Männern waren aus dem Stamm Juda Daniel, Hananja, Mischaël und Asarja.

7 Der Oberkämmerer gab ihnen andere Namen: Daniel nannte er Beltschazzar, Hananja Schadrach, Mischaël Meschach und Asarja Abed-Nego.

8 Daniel war entschlossen, sich nicht mit den Speisen und dem Wein der königlichen Tafel unrein zu machen, und er bat den Oberkämmerer darum, sich nicht unrein machen zu müssen.

9 Gott ließ ihn beim Oberkämmerer Wohlwollen und Nachsicht finden.

10 Der Oberkämmerer sagte aber zu Daniel: Ich fürchte mich vor meinem Herrn, dem König, der euch die Speisen und Getränke zugewiesen hat; er könnte finden, dass ihr schlechter ausseht als die anderen jungen Leute eures Alters; dann wäre durch eure Schuld mein Kopf beim König verwirkt.

11 Da sagte Daniel zu dem Mann, den der Oberkämmerer als Aufseher für ihn selbst sowie für Hananja, Mischaël und Asarja eingesetzt hatte:

12 Versuch es doch einmal zehn Tage lang mit deinen Knechten! Lass uns nur pflanzliche Nahrung zu essen und Wasser zu trinken geben!

13 Dann vergleiche unser Aussehen mit dem der jungen Leute, die von den Speisen des Königs essen. Je nachdem, was du dann siehst, verfahr weiter mit deinen Knechten!

14 Der Aufseher nahm ihren Vorschlag an und machte mit ihnen eine zehntägige Probe.

15 Am Ende der zehn Tage sahen sie besser und wohlgenährter aus als all die jungen Leute, die von den Speisen des Königs aßen.

16 Da ließ der Aufseher ihre Speisen und auch den Wein, den sie trinken sollten, beiseite und gab ihnen Pflanzenkost.

17 Und Gott verlieh diesen vier jungen Leuten Wissen und Verständnis in jeder Art Schrifttum und Weisheit; Daniel verstand sich auch auf Visionen und Träume aller Art.

18 Als ihre Zeit zu Ende war und man sie vor den König bringen musste, wie er es bestimmt hatte, stellte sie der Oberkämmerer dem Nebukadnezzar vor.

19 Der König unterhielt sich mit ihnen und fand Daniel, Hananja, Mischaël und Asarja allen anderen überlegen. Sie traten also in den Dienst des Königs.

20 Sooft der König in Fragen, die Weisheit und Einsicht erfordern, ihren Rat einholte, fand er sie allen Zeichendeutern und Wahrsagern in seinem ganzen Reich zehnmal überlegen.

21 Daniel blieb im königlichen Dienst bis ins erste Jahr des Königs Kyrus.“

 

Quelle: die-bibel.de

 

Ich wünsche allen Wesen lebenswerte Weihnachten!

 

Interessantes zum Weiterlesen:

Brot für die Welt: Der Zusammenhang zwischen Hunger und Fleischkonsum

Christen für Tiere

Festtagsessen ohne Tierleid

Bibelstudium: „Daniel und seine Freunde am babylonischen Hof“

4 Gedanken zu “Bibel-Fest

  1. Hat dies auf ragbag rebloggt und kommentierte:
    » […] Einen Satz wie „alles, was sich regt und lebt, diene euch zur Nahrung;“ als Entschuldigung zu missbrauchen, andere Lebewesen für unseren Genuss zu quälen, ist so ziemlich das unchristlichste, was ich mir vorstellen kann. Und ein bisschen widersinnig ist es auch, beim Gottesdienst für hungernde Kinder zu sammeln, um danach zuhause Tiere zu essen, für deren Zucht wir den hungernden Kindern Land und Getreide wegnehmen. […] «

    Gefällt 2 Personen

  2. Pingback: „Bibel-Fest“ | Red Skies over Paradise

  3. Ja, dass die Bibel tatsächlich manchmal für die Inschutznahme von Tierquälerei und damit verbunden dem eigenen Gaumengenuss herhalten muss habe ich privat schon oft erlebt.
    Finde ich ziemlich zynisch. Gerade als gläubiger Mensch sollte man doch Gottes Schöpfung besser zu behandeln wissen, denke ich.

    Gefällt 2 Personen

    • ja genau, als Veganer kommt einem (wie so viele Argumente) auch das völlig absurd und zynisch vor – doch viele Fleischesser „glauben“ wirklich an ihre drei Bibelstellen, die sie mal gehört haben.. deshalb wollte ich diese eine mal etwas näher (wenn auch immer noch sehr vereinfacht) beleuchten und Weihnachten eignet sich da ja ganz gut für 😉

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