Spanien, Fragen und Corona

Ausgangssperre in Spanien

Wie die meisten von euch wissen, überwintern mein Mann und ich in Andalusien. Die ansteigende Corona-Aufregung haben wir also von hier aus miterlebt, in Spanien gilt seit Anfang der Woche eine Ausgangssperre. Das ging alles sehr schnell: letzten Freitag hieß es noch, dass keine Ansammlung über 100 Leute gestattet ist und ab Montag die Schulen schließen. Am Samstag morgen riegelte die Polizei bereits den Strand ab und ab Sonntag hatten alle Lokale zu. Seit Montag ist Rausgehen nur noch aus wichtigem und nachweisbarem Grund erlaubt, ansonsten drohen Bußgelder. Neidisch schauen wir hier auf Länder, deren Politiker und Mediziner nun den Menschen raten, sich zwar von anderen als den zum Haushalt gehörenden Menschen fernzuhalten, jedoch unbedingt regelmäßig spazieren zu gehen. In Spanien darf ich nicht mal mit meinem Mann gemeinsam einkaufen gehen. Und mehr als eine Person im Auto wird sofort angehalten, auch dafür muss es dann einen beweisbaren triftigen Grund geben, sonst wird es teuer.

Natürlich halten wir uns an alle Regeln, mindestens 4 Wochen wird es nun so sein, wahrscheinlich länger.. Ich bin dankbar, dass ich nicht allein bin (wie viele andere hier, besonders Rentner, viele aus Deutschland) und dass unser Fernseher in der Ferienwohnung funktioniert, wir Strom und Wasser haben und das mobile Netz bisher nicht schlapp gemacht hat, Wlan haben wir nämlich nicht. Dank E-Reader ist auch genug zu lesen da. Und ja, wir haben auch Klopapier und Nudeln gekauft, solange das noch ging.. und – ihr ahnt es sicher schon, genug Pulverkaffee. Hoffentlich genug.. Da es nun morgens und abends manchmal noch kühl ist, hoffen wir, dass unser Gas zum Heizen reicht, denn welches holen können wir ohne Auto nicht. Eine liebe Freundin, die uns sonst gefahren hat, darf das jetzt natürlich nicht mehr. Wie das nun andere lösen, die älter und allein und vor allem nicht so gut vernetzt sind.. ich weiß es nicht.

Zum Glück gibt es facebook-Gruppen, in denen uns nette Deutsche, die besser Spanisch sprechen und verstehen als wir, erklären, was wir nun dürfen und was nicht. Der Nachteil in diesen Gruppen ist altbekannt: es gibt viel Panik und neben hilfreichen Infos wird eben auch gelästert, denunziert und verurteilt, was das Zeug hält. Es ist wie gesagt, kein neues Phänomen, aber wenn man so in der Wohnung sitzt und nicht weiß, ob man wie geplant Ende April nachhause fliegen kann (solange haben wir diese Wohnung hier gemietet, der Flug wurde bisher nicht abgesagt), dann mag man sich solchen Gruppen nicht vollständig entziehen. Unser Immobilienbüro hat geschlossen, ob wir irgendwo wohnen könnten, falls wir nicht zurück können, wissen wir auch noch nicht..

Die Pläne hier unter den Deutschen, die meist überwintern oder auch ganzjährig immer mal hier sind, scheinen überwiegend in Richtung „Aussitzen“ zu gehen. Weil es ja auch genau das ist, was mit diesen Maßnahmen erreicht werden soll; also nicht die Flughäfen und Grenzen noch mehr belasten, sondern in der (Ferien)wohnung bleiben – und abwarten. Und somit Ansteckungsrisiken zu vermindern, anstatt umherzureisen. Manche wollen natürlich auch nachhause und auch das ist sehr verständlich! Doch da nun auch die Rückreisewelle von Hotelgästen immer noch akut ist, die gar keine Unterkunft mehr haben und auch den Flughafen Malaga fast auseinanderplatzen ließen, finde ich es momentan vernünftiger, hier auszuharren und zu hoffen, dass wir Ende April zurück fliegen können. Bei uns kommt hinzu, dass wir aufgrund unserer Pläne, uns die Welt ein bisschen anzusehen, beschlossen hatten, in Deutschland derzeit in einer WG leben, die darauf ausgerichtet ist, dass die Bewohner viel unterwegs sind. Das kann nun also richtig eng werden – nicht nur für uns. So scheint es momentan am sinnvollsten, diese Wohnung hier zu nutzen, so lange sie bezahlt ist, denn wie lange wir uns dann noch in Deutschland auf engem Raum zusammenpferchen müssen, bleibt ja ungewiss.

Bis jetzt können sich die Menschen in Deutschland noch glücklich schätzen, hinaus zu dürfen und wir hoffen sehr, dass diese Freiheit nicht eingeschränkt wird, nur weil sich ein paar Ausnahmen immer noch draußen versammeln müssen.. Was jeder persönlich von den Maßnahmen der Regierungen hält, ist diesbezüglich gar nicht wichtig. Es gibt nun Gebote und Verbote und Appelle an die Bevölkerung, die nach derzeitigem besten Wissen täglich ausgesendet und verfügt werden und tatsächlich, davon bin ich überzeugt, für jeden Bürger das Beste wollen. Ob diese Maßnahmen sinnvoll und erfolgreich sind, kann man nur zügig herausfinden, wenn alle mitmachen.

Die rückblickende Auswertung wird dann Prognosen bestätigen und/oder neue Erkenntnisse auch für weitere (und vielleicht schlimmere) Katastrophenzustände zutage fördern. Während einer Grippewelle soziale Kontakte zu distanzieren, ist eh günstig, ob nun von diesem oder jenem Virus. In unserer Familie war es jedenfalls schon immer üblich, vor allem die Großeltern nicht zu knuddeln, wenn man erkältet war und sich die Hände zu waschen. Wie schön, dass solche Traditionen nun offenbar wieder aufflammen. Je mehr Menschen jetzt an einem Strang ziehen, desto schneller ist dieser Spuk hoffentlich vorbei – und desto größer ist die Chance, dass man in Deutschland auch morgen noch spazieren gehen darf (wobei diese Chance offenbar stündlich sinkt..)

 

Allgemein zugängliche Informationen über ein neues Virus

Unabhängig davon, dass man sich solidarisch verhalten sollte, auch wenn man nicht jeden Sinn nachvollziehen kann, werden viele Leute natürlich die Zeit zuhause auch damit verbringen, sich mit Virulogie, Wirtschaft und der Sinnhaftigkeit des größeren Ganzen zu befassen. So auch ich. Neben uns Laien gibt es zum Glück zahlreiche Experten weltweit, die diesen Virus-Krimi lösen möchten. Doch natürlich möchte man Zustände begreifen, die veranlasst werden, wenn man von ihnen nun wohl auch auf längere Zeit betroffen sein wird. Zusammenhänge verstehen zu wollen, während wir brav auf dem Sofa sitzen, hält uns ja neben Yoga und viel Grünzeug auch lebendig.

Vom Hausarzt bis zum Virologen erklären Fachleute seit Wochen im Fernsehen, dass die meisten Menschen nach jetzigen Erkenntnissen das Virus fast unbemerkt mit Erkältungssymptomen erfolgreich bekämpfen. Wenn ich es richtig verstanden habe (ihr dürft mich gerne korrigieren) besteht die Gefährlichkeit lediglich in der ungewöhnlich hohen Wahrscheinlichkeit, sich anzustecken. Ohne entsprechende Maßnahmen stecken sich also voraussichtlich unglaublich viele Menschen fast gleichzeitig an, eben weil die meisten kaum Symptome verspüren und somit auch weiter ihre Alltagskontakte pflegen.

Und weil es natürlich immer Risikogruppen gibt, deren Körper sehr viel heftiger auf ansonsten harmlose Virusinfekte reagieren können (in diesem Fall geht es um das Risiko einer schweren Lungenerkrankung), gilt es jetzt, diese Menschen vor einer Ansteckung zu schützen, indem wir uns vereinzeln.

Aber eben nicht, weil man annimmt, man könne eine Ansteckung grundsätzlich verhindern! Sondern damit nicht zu viele Menschen auf einmal schwer erkranken können und dann eine gute medizinische Versorgung in Krankenhäusern womöglich nicht mehr gewährleistet wäre. Das ist mit #flattenthecurve gemeint. Man verteilt die Infizierten auf einen längeren Zeitraum.

Neben den erforderlichen Vorbereitungen in den medizinischen Einrichtungen hoffe man außerdem, Zeit zu gewinnen, um medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten zu finden. Gleichzeitig wird natürlich an einem Impfstoff geforscht. Weiterhin wolle man wohl gerne mit der Influenza und deren schweren Fällen in den Krankenhäusern „durch“ sein, bevor die schweren Covid-19-Fälle zunehmen.

Das Beste draus machen

Viele Menschen entdecken nun ganz neue Möglichkeiten, auch in der Politik in akuten Situationen relativ schnell zu beschließen und umzusetzen. Der Pflegenotstand dürfte hoffentlich in Zukunft in Deutschland, aber auch in Italien und anderen Ländern, ernster genommen werden. Vielleicht gehen ja die europäischen Staaten angesichts dieser Erfahrung dann doch wieder dazu über, ihren Gesundheitssystemen mehr Priorität einzuräumen und mehr zu verstaatlichen anstatt weiterhin Produktionsketten aus teils fragwürdigen kommerziellen Interessen heraus zu globalisieren.

Wer hätte gedacht, dass unser erstes Problem im Katastrophenfall Gesichtsmasken und Desinfektionsmittel sein würden und das schon, bevor überhaupt die Bettenbelegungen in den Krankenhäusern erkennbar ansteigen? Ich jedenfalls nicht. Das kann man nun auch nicht alles den Menschen vorwerfen, die in Apotheken Sachen auf Vorrat kaufen, nachdem sie mit täglichen Fallzahlen in allen Medien bombardiert werden (die nach meinem Verständnis für uns Laien vor dem Fernseher eine recht geringe Aussagekraft haben, dazu komme ich weiter unten).

Doch daran wird sich dann hoffentlich abgearbeitet, wenn das öffentliche Leben wieder stattfinden darf. Auch grundsätzliche Maßnahmen zur Sicherung eines würdevollen Einkommens für jeden stehen nach wie vor im Raum, hierzu findet man ganz viele gute Ideen, wenn man den Begriff „Bedingungsloses Grundeinkommen“ googelt. Mit finanziellen Sorgen in der Wohnung eingesperrt zu sein, stärkt jedenfalls nicht gerade das Immunsystem.

Unklarheiten, verzerrte Informationen, Auswirkungen

Nun zu einigen Überlegungen, die mir seit Wochen im Kopf herumschwirren und mit denen ich mir nun Dank des Hausarrestes verstärkt die Zeit vertreibe. Die meisten von euch werden all das wissen, was ich hier zusammenfasse (manche werden vielleicht inzwischen reflexartig die Augen verdrehen, die lesen dann am besten einfach nicht weiter ;)) und einige werden mich vielleicht auch korrigieren (gerne!), doch erscheinen mir vor allem die Punkte wichtig, die die tägliche Information in den Medien zu den Fallzahlen betreffen. Diese werden von vielen Menschen regelrecht aufgesaugt und ich halte sie für irreführend.

Ich beginne mit einer vielleicht doofen Frage: Müsste man nicht, um ein einigermaßen zutreffendes Gesamtbild zu erhalten, neben der Zahl der bestätigten Infizierten auch wenigstens die Zahl der insgesamt Getesteten veröffentlichen? Gibt es dazu überhaupt zugängliche Erhebungen? Um dann überhaupt erst grobe (!) Rückschlüsse auf die Zahl der Infizierten in der Gesamtbevölkerung ziehen zu können? Was nützt es mir, wenn ich den täglichen von einigen Sendern sehr dramatisch gestalteten plakativen Schlagzeilen 1000 Neuerkrankte entnehme. 1000 sind dann also gefühlt viel, doch in Relation zu was?  Zur Gesamtbevölkerung? Zu den Getesteten? Zu den sonstigen und medial sonst eher uninteressanten saisonalen Infektionswellen? Ich finde es nicht unerheblich, ob 50% der Getesteten oder 0,01% erkrankt sind. Oder ob die Fallzahlen mit der Anzahl der Tests steigen. Und „erkrankt“ kann eben auch symptomfrei bedeuten. Und was ist mit den täglich ausgerufenen Todesfällen – sind diese wirklich alle am neuen Coronavirus gestorben, nur weil er bei ihnen nachgewiesen wurde?

Anstatt uns vor den täglich steigenden Zahlen nur zu fürchten, sollten wir nicht lieber darauf hoffen, dass die Dunkelziffer der inzwischen unbemerkt Genesenen sehr viel höher liegt, damit wir umso schneller als Bevölkerung immun werden? Sollte man auf diesen Umstand nicht in irgendeiner Form verstärkt hinweisen, bevor die Leute ihre Taschenrechner rausholen, um anhand der „bestätigten Infizierten“ Sterblichkeitsstatistiken zu erstellen (und in sozialen Netzwerken zu verbreiten)? Denn jeder einzelne auch unbemerkt infizierte und nun wahrscheinlich immune Mensch senkt doch die Sterblichkeitsrate, steigert unsere Herdenimmunität und bringt uns den 70% näher, oder nicht?

Ist es nicht sogar zu hoffen, dass möglichst große Teile der Bevölkerung sich immunisieren – aber eben möglichst die Vitalen zuerst? Denn wie soll es werden, wenn die Beschränkungen wieder gelockert werden und noch kein Impfstoff da ist? Dann wären ja alle bis dahin nicht Erkrankten wieder genauso gefährdet wie vorher und dass auch noch mit vom Stubenarrest geschwächten Immunsystem – oder mache ich hier einen Denkfehler?

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Getestet wird in Deutschland offenbar nur noch bei Vorerkrankten und sonstigen Risikogruppen, allen anderen Personen mit Grippesymptomen wird inzwischen eher mitgeteilt: „kurier dich aus und bleib zuhause und melde dich, falls es schlimmer wird.“ Man baut also schon darauf, dass die Bevölkerung sich selber immunisiert, ohne jeden erfassen und offiziell bestätigen zu müssen – bloß eben nicht zu rasant, um die schweren Fälle beschützen zu können. Einige Menschen denken zum Beispiel nun panisch (wie man den Kommentaren in facebook-Gruppen entnehmen kann), dass die ca. 70 % Erkrankungen, die für eine Immunisisierung der Bevölkerung (nach derzeitigem Informationsstand) nötig sind, sich irgendwann aus den offiziell bestätigten Infektionen zusammenrechnen.

Vielen Menschen, zumindest in Spanien, ist es nicht bewusst, dass die Maßnahmen NICHT zum Ziel haben, das Virus zu „besiegen“ und auszurotten. Außer man könnte früher als derzeit erwartet einen Impfstoff zulassen oder würde das soziale Leben über Monate oder Jahre minimieren. Durch die Erwartung, das Virus würde nach ein paar Wochen Ausgangssperre wieder komplett verschwinden, werden unrealistische Signale ausgesendet.

Aus diesen entstehen leider auch Situationen, in denen Menschen stolz darauf sind, dass es in ihrem Ort bisher „Null bestätigte Coronafälle“ gibt. Wir haben hier gerade für unseren Ferienort diese schöne Nachricht erhalten. Natürlich ist es gerade jetzt klasse, gute Nachrichten zu verbreiten, doch nicht alle lesen aus dieser Information, dass es wahrscheinlich durchaus Infizierte (und auch hoffentlich längst wieder Genesene) gibt in diesem Ort, jedoch offenbar zum Glück noch keinen schwerer erkrankten Fall, der mit seinen Symptomen zum Arzt oder ins Krankenhaus musste. Momentan jedoch sehe ich vor meinem geistigen Auge schon in einigen facebook-Orts-Gruppen die Kommentare von Rückverfolgungshobbykriminologen, wenn der erste offizielle Fall in ihrem Ort bestätigt wird, der „uns das Virus hier eingeschleppt hat“. Oder der nun Schuld an allem ist, weil er trotz Ausgangssperre zu lange mit dem Hund draußen war.. 

Einige Menschen benehmen sich momentan immer noch sehr selbstbezogen und die Möglichkeit, Schwächere anzustecken, scheint ihnen generell egal zu sein. Deshalb müssen dann wahrscheinlich auch in Deutschland bald alle darunter leiden, wenn es zu Ausgangssperren kommt.

Aber viele Menschen befinden sich momentan auch in unvorstellbaren Angstzuständen, die jeden Morgen durch die Nachricht: „Die Zahl der Corona(todes)fälle ist weiter gestiegen.“ befeuert werden, obwohl es ja völlig vorhersehbar ist, dass die Zahl der Fälle momentan jeden Tag steigt. Ich frage mich halt, ob nicht mit zu großer Sorglosigkeit mit Zahlen öffentlich herumhantiert wird, die zumindest für mich als Laien wenig Aussagekraft haben. Warum sehen wir diese Zahlen nicht jeden Winter, wenn genauso bedauernswerte Menschen an der Influenza erkranken und sterben?

Manche Menschen reagieren mit Panik und Selbstzerfleischung, sitzen nun allein und bewegungslos zuhause, verfolgen diese Zahlen und warten angstvoll auf Symptome. Andere reagieren mit Schuldzuweisungen, Vereinfachungen und Hexenjagden.

Ich verstehe es, wenn man derzeit den Leuten eher die Schrecken des Ganzen vor Augen führen will, damit sie lieber freiwillig zuhause bleiben. Aber es sollten auch die nicht vergessen werden, die sehr empfänglich für Befürchtungen jeglicher Art sind, die sich nun kaum noch zu atmen trauen – und letzten Endes damit auch ihre Abwehr schwächen.

Während ich hier in Spanien nun nicht mehr raus darf und schon jetzt die Folgen des Bewegungsmangels in meinem bisher zum Glück gesunden Herz-Kreislauf-System spüre, frage ich mich, wie sich das wohl für Menschen mit bereits erkrankten Lungen auswirkt, die vielleicht nichtmal einen Balkon haben.. Wie soll unser Immunsystem gerüstet sein für Viren aller Art, wenn wir weder frische Luft kriegen noch Sonnenlicht? Auch hoffe ich sehr, dass depressive und einsame Menschen nun nicht verstärkt jeglichen Lebensmut verlieren.. Deshalb sollte man vielleicht auch nicht unbedingt jede Stimme ausradieren wollen, die den Leuten mitteilt, dass Aufmerksamkeit und Umsicht sicher wichtig sind, Panik aber nicht angebracht ist, weil dieses Virus offenbar den meisten Menschen kaum ernste Schwierigkeiten bereiten wird.

Selbst für mich, die ich gut allein sein kann und mich für psychisch relativ stabil halte, ist diese Art der Einschränkung von außen seelisch belastend, vor allem, weil man keine zeitliche Begrenzung vor Augen hat. Das liegt nun natürlich sicher auch an unserer persönlichen Gesamtsituation: in einer solchen Krise wäre ein richtiges, sicheres, vertrautes ganz eigenes Zuhause natürlich unserem derzeitigen „Reisemodus“ vorzuziehen, der hiermit ja nun abrupt beendet wurde, allerdings mitten in der Reise. Lebenspläne wurden nun erstmal auf ungewisse Zeit ausgesetzt und neue massive Anpassungen sind erforderlich, sobald wir wieder in Deutschland sind.

Fröhlich bleiben..

Nun, zusammen kommt man weiter und jedes Gegeneinander wird uns zurück werfen. Es geht für diesen Moment nicht darum, wer dann später im Rückblick vielleicht doch Recht hatte, aber schon darum, offen zu bleiben für die verschiedenen Erklärungsansätze und sich nicht vorschreiben zu lassen, was man glauben darf und was nicht. Und wir sind auch nicht machtlos, sondern haben es gemeinsam in der Hand, diese Entwicklung mitzugestalten und das Beste rauszuholen. Nur zusammen wird es gut werden und ich bin überzeugt, dass auch unsere staatlichen Entscheidungsträger versuchen, alles richtig zu machen und eine sehr schwierige Balance halten müssen zwischen notwendigen Warnungen und möglicherweise zu großer Sorglosigkeit, die sie sich dann später eventuell vorwerfen lassen müssten.

Da nun auch viele fleißige Forscher weltweit Sars-CoV-2 gerade erst genauer kennenlernen und noch keine Patentlösung für den Umgang damit haben, so lasst uns auch ihnen Zeit verschaffen, um Lösungen zu finden – und halt gemeinsam erstmal alles verlangsamen: sowohl die Ausbreitung von Viren – und unseren Alltag. Auf dass es ganz bestimmt auch für die Gesunden unter uns für irgendetwas gut sein wird. Und auf dass wir gesund bleiben oder auch trotz eventueller Ansteckung schnell wieder gesund werden. Wie gesagt: über 80 Prozent haben milde Symptome und sind danach wahrscheinlich erstmal immun. Bleibt also fröhlich zuhause! und guckt nicht den ganzen Tag Corona im Fernsehen..

Und ich verabschiede mich für heute und werde mich in den nächsten Tagen bestimmt wieder melden, dann aber wohl nicht mehr mit doofen Fragen, sondern mit Antworten, zum Beispiel auf die Frage: Was kann man alles machen, wenn man nicht mehr raus darf?

Eine Antwort habt ihr schon erraten: wieder mehr bloggen.

Viele Grüße aus Spanien und bleibt gesund und nochmal: bleibt halt einfach freiwillig zuhause! und esst Gemüse!

 

Nachtrag am 22.3.20: Da ich inzwischen mögliche Lösungsansätze zu einigen meiner Fragen und Kritiken in den Medien gefunden habe, poste ich diese Informationen nun unten in den Kommentaren. Ich bin kein Experte und kann nicht entscheiden, wer richtiger oder falscher liegt, offenbar kann diese Antwort nur die Zeit bringen. Denn jeder Wissenschaftler kann eben jetzt nur vermuten, Erfahrungswerte berichten, Modelle erstellen und Wahrscheinlichkeiten ausrechnen. Als Experte nun die Bundesregierung beraten zu müssen, ist sicher ein sehr undankbarer Job…  Zumindest finde ich einige dieser hier gesammelten Infos nachvollziehbarer als die derzeitige „offizielle“ Berichterstattung. Sie greifen Irritationen meinerseits auf, mit denen ich seit Januar meinem Mann in den Ohren liege, auch weil es leider nicht möglich ist, in den sozialen Netzwerken sachlich darüber zu diskutieren – und die ich mir ja nun teilweise hier von der Seele geschrieben habe. 

13 Gedanken zu “Spanien, Fragen und Corona

  1. Danke dir von Herzen, meine liebe Janine, für deinen ausführlichen blog. Bin nicht erstaunt, dass ich dir 100%ig beipflichte. Wie sehr ich mir wünsche, dass wir näher beieinander wären, doch bin auch sehr dankbar für DIESE Möglichkeit des Beisammenseins.

    Gefällt 2 Personen

  2. Hallo Janine.
    Das ist ein wirklich guter Beitrag und ich stelle fest, dass mir auch noch manches klarer geworden ist.
    Bei allem schweren und traurigen in dieser Zeit ist aber auch für mich eine große Hoffnung da, dass dieses, wenn auch erzwungene Innehalten, das Anhalten der Welt (in manchen Bereichen) auch eine Chance darstellt. Viele Menschen haben jetzt sehr viel Zeit und werden quasi auf sich selbst zurück geworfen. Das birgt die Möglichkeit des überdenkens des eigenen Lebens und Verhaltens. Hoffen wir, dass es der Welt, der Erde und den Tieren gut tun wird und es der Beginn der Heilung der Welt ist.

    Gefällt 2 Personen

  3. „locking down the world with potentially tremendous social and financial consequences may be totally irrational. It’s like an elephant being attacked by a house cat. Frustrated and trying to avoid the cat, the elephant accidentally jumps off a cliff and dies.“
    https://www.statnews.com/2020/03/17/a-fiasco-in-the-making-as-the-coronavirus-pandemic-takes-hold-we-are-making-decisions-without-reliable-data/?fbclid=IwAR1xQZAWivowvuH2u8T3Hgxb45PecrPYNb8nmEbf5FDVGnh5xYLNoc7PlJ4

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  4. Pingback: Nutze den Tag: zwei Wochen Hausarrest in Spanien | fitandfoodworld.com

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