Risikogruppen

Vor einigen Jahren lag ein geliebter Freund von mir monatelang auf der Intensivstation, zeitweise im Koma, zeitweise ansprechbar, allerdings selber lange sprachlos aufgrund eines Beatmungsschlauches im Hals. Ich besuchte ihn jeden Abend nach der Arbeit, hielt seine Hand, fand durch „Blinzel einmal für ja und blinzel zweimal für nein“ heraus, wo es wehtat und konnte, weil ich ihn und seine Krankengeschichte gut kannte, dem täglich wechselnden Pflegepersonal Hinweise geben, für deren Erlangung dieses sonst keine Zeit gehabt hätte. Dieser liebe Mensch erzählte mir später, dass während seiner wachen Phasen die Aussicht auf meinen täglichen Besuch für ihn der einzige Grund gewesen sei, seinen sehr unbequemen Zustand nicht einfach verlassen zu wollen.. Pflegende baten mich, unbedingt jeden Tag zu kommen. Jeder Impuls zum Weiterleben sei nun zu fördern und es sei messbar erkennbar, dass die Besuche ihn stabilisierten.

Ärzte erzählten mir, sie würden es immer wieder erleben, dass die Nähe von geliebten Menschen manchmal den kleinen Ausschlag in Richtung Leben gab – auch wenn sie das nun nicht wissenschaftlich erklären könnten und auch „nur mal so unter uns gesagt“. 

Vielleicht hätte Stefan es damals auch ohne Besuch geschafft, er konnte auch beim Überleben sehr stur sein, wie wir immer wieder feststellen durften. Mit Sicherheit unterstützt es jedoch Menschen bei Heilungsprozessen in hilflosen Situationen, wenn sie merken: da guckt jemand Vertrautes nach mir, redet für mich, drückt mal meine Hand.

Stefan lebt seit letztem Jahr nicht mehr. Und es kostet mich immer noch Überwindung, diesen Satz zu schreiben. Doch 2013 hat er nicht nur überlebt, sondern auch wieder gerne gelebt. Er wäre heute ein Risikopatient gewesen mit COPD. Und mir gruselt es dieser Tage bei der Vorstellung, ich hätte ihn wegen eines Kontaktverbotes nicht mehr besuchen dürfen. Mein Mitgefühl gilt allen Menschen, die gerade schwanken zwischen Leben und Tod, und die nun keine Angehörigen mehr an ihrer Seite haben dürfen – und natürlich den Angehörigen selber. Denn eine Hand halten kann man nicht per Skype – und man kann auch nicht per Telefon nach dem Rechten sehen, wenn jemand sich nicht selber äußern kann. Pflegekräfte sind überlastet und die meisten von ihnen waren dankbar für Beobachtungen, die ich mitteilte oder Besonderheiten, die nur nahe Angehörige wissen und die in keiner Krankenakte stehen, auch über kleine Tätigkeiten, die ich ihnen abnehmen konnte.

Ähnlich war es bei meinen Großeltern in ihrer letzten Lebensphase. Ein Jahr vor ihrem Tod bekam meine Großmutter eine schwere Bronchitis. Ich setzte es mit Überredungskunst, aber letztendlich doch mit der Ärztin im Rücken durch, dass sie nicht vom Seniorenheim auf die Intensivstation wechselte. Zum einen ist es ein offenes Geheimnis, dass viele eh schon schwache Menschen in Krankenhäusern an Lungenentzündungen sterben, die sie bei der Einlieferung noch gar nicht hatten – vor allem jedoch wollte ich, dass meine Großmutter, falls es nun soweit sei, keinen Stress mehr habe, sondern in ihrem vertrauten Bett im Pflegeheim mit vertrautem Blick ins Grüne und ohne Hektik sterben könne. Ich saß jeden Tag bei ihr, half ihr bei allem, was anlag, entlastete hoffentlich auch ein wenig das Pflegepersonal – und sah dabei zu, wie meine Omi wieder gesund wurde. Wir hatten dann nochmal einen richtig guten Sommer und sie schaffte noch die 95. Sie starb später im Schlaf in ihrem Bett. In der heutigen Corona-Situation wäre sie vielleicht ein Jahr früher gestorben – auch ohne Virus.

Mein Großvater erzählte mir zwei Jahre vor seinem Tod, damals lebten sie noch zuhause und nicht in einem Heim in meiner Nähe, dass er eigentlich keine Lust mehr zum Leben hätte. Das einzige, was seine Lebensgeister noch erhalte, sei sein Spaziergang (den er da schon nicht mehr täglich schaffte) und mein wöchentlicher Besuch.

In diesen Jahren mit drei zu betreuenden Angehörigen habe ich mehr Zeit in Krankenhäusern und Pflegeheimen verbracht als zuhause oder mit meinem damaligen Lebensgefährten, der mich zum Glück in all meinen Fürsorgen geduldig unterstützte (und den ich inzwischen geheiratet habe <3). Meine Aufgabe sah ich darin, geliebten Menschen, die man auch als Risikopatienten bezeichnen kann, bei der Erlangung dessen zu helfen, was sie selber wollten und dieses dann abzustimmen mit realistischen Möglichkeiten. Und sie fühlen zu lassen, dass sie nicht allein sind. Die Qualität ihres Lebens stand in engem Zusammenhang mit ihrem Gefühl, selber bestimmen zu können und mein Ziel war es, diese Qualität aufrecht zu erhalten oder zurück zu gewinnen.

Erst an zweiter Stelle steht für mich die Lebensverlängerung, also die Quantität. Wobei ich überzeugt bin, dass eine subjektiv empfundene gute Lebensqualität durchaus lebensverlängernd wirken kann. Diese Prioritäten mit Ärzten und Pflegekräften zu kommunizieren, lief nicht nur harmonisch und Entscheidungen, die ich zu verantworten hatte, waren nicht immer populär und teilweise auch belastend für mich – und dennoch bin ich bis heute froh über jeden unbeschwerten Moment, der dank solcher Kämpfe noch möglich war. Und natürlich bin ich sehr dankbar für das Vertrauen und Mittragen dieser Entscheidungen durch alle anderen Familienmitglieder, die gerade nicht vor Ort sein konnten.

Mein Großvater hat nach seinem zweiten Schlaganfall komplett aufgehört zu telefonieren, auch weil er sich sein Hörgerät nicht mehr selber einsetzen konnte und das Pflegepersonal zu überlastet war, sich darum zu kümmern. Ohne meine Besuche hätte er überlegt, ob er mir egal sei. Meine Großmutter hatte irgendwann vergessen, wie man ein Telefon bedient und konnte in den letzten Wochen ihres Lebens auch nur noch bedingt den Hörer halten.  Sie konnte sich nicht mehr lange merken, mit wem sie sprach oder dass sie überhaupt gerade telefonierte. Doch wenn sie mich sah und anfassen konnte und ich sie in den Arm nahm, dann strahlte sie und wusste sofort, dass ich ihr Schätzchen bin, mich um alles kümmern würde, was sie nicht mehr in Worte fassen konnte – und dass nun alles wieder gut ist.

Mit Telefon und Skype lässt sich sicher einiges überbrücken und auch Nähe herstellen. Doch wenn man meiner dementen Großmutter einen Bildschirm mit meinem sprechenden Kopf hingestellt hätte, hätte sie das eher verstört als gefreut.

Erfahrungen dieser Art machen zahlreiche Menschen mit ihren Angehörigen und das sind Leben, die nun wegen der Corona-Krise vielleicht früher zu Ende gehen, nicht aufgrund einer Infektion, sondern aufgrund des Schutzes vor einer Infektion. 

Jedes Leben braucht einen Grund, eine Absicht, einen Impuls, um lebenswert zu sein – und für manche ist das „nur“ noch der regelmäßige Besuch von Kindern und Enkeln. Fehlt dieser Grund, lässt die Abwehr dem Tod gegenüber nach. Fehlt die Nähe zu geliebten Menschen, stehen die Chancen im Notfall schlechter, munkelt man eben auch unter Stationsärzten auf Intensivstationen und unter Altenpflegern.

Was es mit der Gesundheit von Angehörigen macht, sich nicht verabschieden zu können, lasse ich jetzt mal außen vor, ebenso die psychisch belastenden Situationen, die derzeit für Pflegende zusätzlich noch entstehen.

Natürlich müssen besonders Senioren und Kranke vor einer Pandemie geschützt werden und auch ich habe für die momentanen Maßnahmen keine bessere Idee. Ich möchte jedoch dazu anregen, sich für die Zukunft bessere Ideen zu überlegen und für bessere Grundvoraussetzungen im Gesundheitssystem zu sorgen, damit es auf solche Situationen vorbereitet ist. Denn es wird nicht das letzte Virus gewesen sein, das sich auf den Weg vom Tier zum Menschen macht und es gibt auch Katastrophen, die sich von einem Tag zum anderen ereignen können. Und neben Coronaviren gibt es nach wie vor eine ganze Menge anderer Möglichkeiten, schwer zu erkranken, deren Vermeidung oder Behandlung in der öffentlichen Debatte derzeit jedoch irgendwie nebensächlich erscheint.

Wir sollten Menschen, die sich schwach fühlen, immer besondere Aufmerksamkeit zukommen lassen. Doch es sollte nicht zur Normalität werden, Menschen aus sogenannten Risikogruppen auch gegen ihren Willen nun möglicherweise bis zu ihrem Lebensende vor einem Virus zu schützen – und es für einen Erfolg halten, wenn die Todesursache dann eine andere ist. 

Kontaktbeschränkungen sollten dafür genutzt werden, so hieß es mal, um die Zahl der Infektionen zu verlangsamen, damit Krankenhäuser Zeit haben, sich aufzurüsten für eine schneller als gewohnt ansteigende Zahl an schweren Fällen einer Virusinfektion, die sich um einiges rasanter verbreitet als zum Beispiel die Influenza. Verlangsamung von Infektionen, so hieß es mal, nicht grundsätzliche Vermeidung, denn diese sei gar nicht möglich, wenn man irgendwann mal wieder aus dem Haus will. Dieses einst kommunizierte Ziel (#flattenthecurve) scheint jedoch in der öffentlichen Diskussion inzwischen unterzugehen. Vermehrt hört man nun eher schlachtrufähnliche Parolen, das Virus „zu besiegen und auszurotten“, um jeden Preis – doch wie hoch ist dieser Preis?

Unabhängig von der Notwendigkeit derzeit akuter Maßnahmen bemerke ich mit wachsendem Unbehagen eine Tendenz, nun sogenannte Risikogruppen zu ihrem eigenen Schutz am liebsten fast entmündigen zu wollen und sich sogar öffentlich über Rentner aufzuregen, die „nun noch ganz kaltschnäuzig draußen herumstiefeln“, manche wurden sogar zu zweit oder zu dritt gesichtet.. und „für diese Ignoranten“ soll nun der Enkel auf seine Party verzichten.  

Wer genau wird eigentlich von heute auf morgen teilweise vom gesunden Menschen zum Risikopatienten deklariert? Alle ab 65? Alle Raucher? Alle Menschen mit Autoimmunerkrankungen? Warum nicht auch Leute, die regelmäßig feiern und Fast-Food essen und auch in jungen Jahren schon Phasen mit grenzwertigen Leberwerten und Lungenfunktionen haben können? Ja, manch einer hat mit achtzig ein besser funktionierendes Immunsystem als andere mit dreißig, auch wenn die Statistik natürlich für den 30jährigen spricht. Mein Mann ist über 65 und fit wie ein Turnschuh. Er leidet sehr unter dem Hausarrest, zunehmend auch körperlich (hier in Spanien ist auch der Spaziergang verboten). Er macht zwar nun brav ein bisschen Yoga mit mir und geht öfter mal einkaufen, doch reicht ihm das nicht wirklich. Er spielt sonst Tennis, rennt viel umher, stemmt gern Gewichte – und baut jetzt körperlich ab, wie jeder Sportler, der auf einmal zur Bewegungslosigkeit verdammt ist. Uns geht es dennoch gut, doch nicht jeder ist so fit wie wir in die Wohnung verbannt worden. Und auf Dauer kann das eben auch gesunde Menschen krank machen, das Immunsystem schwächen und dazu führen, dass der Körper mit einem Virus schlechter fertig werden würde. 

Ich finde es ganz wunderbar, wenn nun Enkelkinder ihre Großeltern nicht anstecken möchten. Jedoch interessiert es manche scheinbar gar nicht mehr, was die Großeltern selber möchten. Sich gestern noch für gesund haltend, gehören sie heute auf einmal einer Risikogruppe an, die nun auch noch verantwortlich dafür gemacht wird, dass ihre Enkel nicht mehr in die Schule dürfen. Ist also die Gefahr eines explosionsartig sprengbaren Gesundheitssystems durch dieses Virus gebannt, sollten wir sehr darauf achten, dass auch bereits erkrankte und/oder hochbetagte Menschen wieder selber bestimmen können, welche Art von Risiko sie zulassen möchten und welche nicht. Wir verbieten erwachsenen Menschen ja sonst auch nicht das Rauchen oder die Sahnetorte, nicht das Autofahren, den Schnaps oder das Bergsteigen, obwohl all dies das Leben nicht unerheblich verkürzen kann.

Auf einmal wollen nun manche Menschen fast kampflustig andere vor diesem einen Virus schützen – in den Jahren zuvor haben aber viele dieser nun so vernünftigen und Solidarität predigenden Menschen in der Grippe-Saison wahrscheinlich nicht daran gedacht, in der Wohnung der Oma nicht herumzuhusten und sich die Hände zu waschen – ich habe jedenfalls zuvor keine derartigen Postings gesehen.

Doch diese Schutzmaßnahmen sind schon immer wichtig und richtig und lebensverlängernd gewesen, unsere Oma hat uns schon als Kinder dazu angehalten und hatte auch später keine Scheu, uns wieder auszuladen, wenn wir erkältet waren. Nun ja, so kann man dieses Jahr vielleicht zumindest auf weniger schwere Influenzafälle hoffen – obwohl man derzeit manchmal den Eindruck hat, der Tod durch das neue Coronavirus sei nun irgendwie dringender zu vermeiden als der Tod durch ein Influenzavirus. Auch eine Influenza mit schwerem Verlauf ist nämlich nicht „bloß eine Grippe“ und die Risikogruppen waren schon immer die gleichen. Nun höre ich vermehrt, diese Risikogruppen seien am besten auch noch den Sommer über zu distanzieren, in dem man ihnen Frischluft, Bewegung und Kontakte vorenthält.

Da frage ich mich, ob ihr, die ihr über zu schützende Menschen nachdenkt, auch daran gedacht habt, dass das für viele dieser Menschen sowieso der letzte Sommer ihres Lebens ist, und dass es für sie sehr wohl auf zwei Wochen mehr oder weniger Kontaktsperre ankommen kann.

Die Entscheidungsträger weltweit sollten auch bedenken, ob neue Risikopatienten nun vielleicht erst erschaffen werden, wenn man über Monate (oder gar Jahre bis zum Impfstoff) kein normales familiäres, gesellschaftliches  Leben mehr führen darf. Gerade älteren Menschen wird ein Faktor genommen, dem sie es vielleicht erst verdanken, dass sie bis dato gesünder waren als mancher Enkel: frische Luft, Bewegung und bei Bedarf auch der Kreis der Familie oder andere soziale Kontakte.

Und was ist mit Lungenerkrankten oder Herz-Kreislauf-Patienten, die in einer Wohnung ohne Balkon leben und die nun auf dem Sofa sitzen, anstatt ihr System zu belüften, Woche für Woche (Monat für Monat?), am besten allein, sagt der Virologe, damit keiner sie infizieren kann. Kann für sie dieser Hausarrest vielleicht den früheren Herzinfarkt bedeuten oder auch die letzte Lungenentzündung?  Und gerade die wollten wir doch beschützen!

Auch nicht zu vergessen sind Menschen, deren Behandlungen jetzt verschoben werden, weil sie nicht in akuter Lebensgefahr schweben – da geht nun durch zu spät entdeckte Krankheiten auch Lebenszeit verloren. Wieviele suchtgefährdete oder depressive Menschen gibt es, denen vielleicht gerade eine mühsam und langwierig erarbeitete Struktur wegbricht, die bisher gerade so die Balance halten konnten bei ihrer täglichen Gratwanderung? Hinzu kommen all die existenziell bedrohten Menschen, die jetzt ohne Hilfseinrichtungen und Tafeln überleben und gesund bleiben wollen. Kann man all die aufgrund dieser Maßnahmen möglicherweise früher sterbenden Menschen auch durch Modelle berechnen? Sollen Leben gerettet werden – oder bloß eine bestimmte Todesursache vermindert werden, selbst wenn diese dann durch andere ersetzt wird?

Eine vorübergehende Kontaktsperre: Ja, wenn es hilft, gerne! Aber über längere Zeiträume können angemessene Maßnahmen nicht nur von Virologen entschieden werden. Es geht um gesellschaftliche Lösungen, um lebenswertes Leben, um Respekt und das Recht auf Selbstbestimmung – für alle Menschen, nicht nur für systemrelevante oder wirtschaftsfördernde Arbeiter und auch nicht nur für die mit nachgewiesenen Antikörpern. Und es geht auch um Abwehrkräfte, die bei glücklichen Menschen stärker sind und bei Kummer und Sorge abnehmen. Letzteres stecken wir Gesunden eher weg – aber gerade für Risikogruppen kann ein durch wochenlange Wohnungsluft und ständig angstmachende Nachrichten zusätzlich geschwächtes Immunsystem vielleicht auch das Zünglein an der Waage sein, warum sich ein Infekt dann ungünstiger entwickelt. 

Es darf nicht nur um Fallzahlen von Verstorbenen gehen – die dann vielleicht eher unbemerkt an anderer Stelle wieder steigen. Solange die Maßnahmen ein absehbares Ende haben und eine Überlastung des Gesundheitssystems vermeiden können, sind sie gut und nachvollziehbar. Aber langfristig muss es andere Lösungen geben. Es kann nicht sein, dass ausgerechnet die Schwachen nun auch noch den Sommer über Hausarrest bekommen, weil jahrelang der Pflegenotstand (offenbar weltweit) in unseren reichen Ländern nicht ernst genommen wurde und Krankenhausverwaltungen sich für Fallpauschalen mehr interessieren als für eine umfangreiche individuell abstimmbare medizinische Versorgung inklusive Katastrophenvorsorge inklusive genug Material und einem gut entlohnten, qualifizierten Personal. 

Wir können es nicht vermeiden, dass Menschen sterben. Aber wie lebenswert das Leben davor ist, das können wir durchaus beeinflussen. Und wer zwischen Leben und Tod schwankt, braucht neben einer guten medizinischen Versorgung eben oft auch noch die Liebe und Vertrautheit eines Menschen zum Anfassen, um das Ruder nochmal herumzureißen. Ja, wir sollten weiterhin gemeinsam versuchen, die Kurve so flach wie möglich zu halten, um Menschenleben zu retten, dabei jedoch auch nicht vergessen: es werden Menschen an den Nebenwirkungen der Kontaktbeschränkungen sterben, wenn auch nicht alle sofort, aber je länger die Maßnahmen dauern, umso mehr. Andere werden nun deshalb einsam sterben und manche vielleicht nur, weil kein Vertrauter da ist, der ihnen die Hand halten darf. 

Lasst uns also bitte nicht das Ganze aus den Augen verlieren bei diesem angestrebten Endsieg über ein Virus. Und bleibt gesund. Oder werdet es wieder.

8 Thoughts

  1. Man sollte Dir den Doktor-Titel verleihen, liebe Janine, für diesen wunderbaren, wahren, einfach großartigen Schrieb!!! Vielen, vielen Dank! Kannst Du ihn bitte an STERN und SPIEGEL schicken ?
    Ich könnte mir vorstellen, daß der STERN ihn sicher freudig abdrucken würde!
    Bleibt gesund, seid lieb umarmt und herzlich gegrüßt!
    Geli

    Gefällt 3 Personen

    1. Danke du liebe, liebe Geli ❤ wie schön, dass du das alles gelesen hast, das bedeutet mir sehr viel.. Zum Glück bin ich kein Doktor und möchte auch mit keinem tauschen.. der Artikel ist öffentlich, du kannst ihn gerne weiterleiten an wen du möchtest, aber ich selber bleibe lieber hier in meinem kleinen Blog, umarme dich zurück, deine Janine

      Gefällt 1 Person

  2. Ich schliesse mich Geli an! Wunderbar durchdachte, einfühlsame und liebevolle Worte und auch ich hoffe, dass sehr viele Menschen in der Lage sein werden, diese zu lesen. Danke, meine liebe Janine!

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  3. Liebste Janine, wenn ich diesen Artikel weiterleiten darf, dann tue ich das auch! Danke für die Erlaubnis.
    Habt einen guten Abend, eine gute Nacht und einen guten Sonntag!
    In Liebe Deine Geli

    Gefällt 1 Person

  4. Du sprichst mir aus der Seele! Ich hab schon viel gelesen und gehört in den letzten Wochen zu diesem Thema. Aber das ist der ausgewogenste und einfühlsamste Blog, der mir dazu untergekommen ist. Ich erlebe es auch so, dass gerade die Menschen, die „geschützt“ werden müssen, unter den Maßnahmen am meisten leiden. Meine Schwiegermutter, die ohnehin schon am liebsten „gehen“ möchte, wird deshalb nach Absprache in der Familie trotzdem von nahen Angehörigen besucht. Das geht, weil sie noch daheim ist. Als mein Vater, gerade als die Kontaktsperre anfing, mit lebensbedrohlichen Symptomen, die nichts mit Corona zu tun hatten, ins Krankenhaus musste, war die Isolation das Schlimmste, für ihn und für uns. Jetzt muss er bald wieder rein. Mir graut davor. Es gibt vieles, was wir Angehörige tun könnten, um seine Genesung zu fördern und das nicht möglich ist in der totalen Isolation.

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    1. Ich danke dir und wünsche mir auch sehr, dass diese Seite mehr gesehen wird bei den politischen Entscheidungen. Und ich wünsche deinem Vater und deiner Schwiegermutter alles alles Gute und dass ihr diese schwierige Situation gut meistert! Ich habe jetzt gehört, dass manche Krankenhäuser doch unter gewissen Bedingungen Besuche zulassen, vielleicht gibt es für deinen Vater ein Krankenhaus in eurer Nähe, wo das möglich ist? Alles Gute für dich und deine Familie!

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