Von Tieren und Viren

Nun will ich es heute doch mal loswerden. In meinen letzten Beiträgen hatte ich mich zurück gehalten, deutlicher darauf hinzuweisen, dass viele Viren aufgrund der unnatürlichen Nähe des Menschen zu Tieren erst zum Problem werden, zumal zahlreiche Experten inklusive Virologen bereits auf diesen Zusammenhang hingewiesen haben. Ursachen dieses Mangels an Platz und gesundem Freiraum liegen entweder darin, dass Tieren ihr Lebensraum direkt unterm Hintern abgeholzt wird (um zum Beispiel Platz für Tierzucht oder für den Tierfutteranbau zu schaffen) oder darin, dass Tiere zur Verköstigung des Menschen unter die Leute gebracht werden, sei es auf Wildtiermärkten in China oder auch in Mastbetrieben in Deutschland. Komischerweise hat trotz der weltweiten Viren-Angst diese klar erkannte Ursache keine erkennbare Auswirkung auf das Verhalten der Menschheit.

Und neben der Tatsache, dass auch diese aktuelle Krise ein Ergebnis unseres Verhaltens von gestern ist, habe ich persönlich eine ähnliche Auffassung über die Ursache von Krankheiten – und damit offenbar eine andere Vorstellung als ein Großteil der Bevölkerung. Auch das bringe ich hier nochmal zur Sprache, weil diese unterschiedliche Sicht eine Ursache dafür zu sein scheint, warum in Diskussionen aneinander vorbei geredet wird. Ich habe als Erwachsene noch nie die Verantwortung für meine Gesundheit ausgelagert oder erwartet, dass eine Sofortmaßnahme von außen mich (wieder) dauerhaft gesund macht. Und obwohl natürlich auch ich nicht schwer erkranken möchte, finde ich die zunehmende Besessenheit, Krankheit und Tod dauerhaft von außen kontrollieren zu lassen, nicht gesundheitsfördernd. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass Gefühle von Hilflosigkeit und Angst hinderlich sind bei der Genesung oder der Abwehr von Krankheiten, und zwar unabhängig davon, welche medizinische Ursache sie haben. Und ich bin überzeugt davon, dass ein Gefühl der Ohnmacht im Verbund mit anderen Faktoren das Immunsystem sogar so sehr schwächen kann, dass man an den Langzeitfolgen stirbt, weil es zum Beispiel nicht mehr mit einem für andere Menschen relativ harmlosen Virus zurecht kommt. Jede überstandene Krankheit hat mich stärker gemacht und grundsätzlich vertraue ich meinem Körper, dass er weiß, was zu tun ist und greife so wenig wie möglich in diese Prozesse ein. Viele meiner Beschwerden in meinen gut fünfzig Jahren habe ich mit dieser Herangehensweise oft entgegen ärztlicher Prognosen zum Glück selber lösen können. Kann ich das mal nicht, bin ich dankbar für schulmedizinische Möglichkeiten vor allem in akuten Situationen und auch für die Möglichkeiten bestimmter Impfungen. Aus eigener Erfahrung kann ich aber auch berichten, dass eine dauerhafte Beschäftigung mit Krankheiten tatsächlich ernsthaft krank machen kann und dass die eigene Überzeugung eine Menge zum Nutzen oder auch Schaden einer Therapie beitragen kann. Und: ich sage nicht, dass andere Menschen die Dinge ebenso sehen, erfahren und handhaben sollten wie ich. Was der eigenen Gesundheit zugute kommt, und von wem man sich dabei helfen lassen möchte, gesund zu werden, kann meiner Meinung nach nur jeder selber entscheiden – und ich möchte gerne, dass das so bleibt.

Offenbar können aber viele Menschen mit Angst und Schuldzuweisung besser hantieren als mit Voraussicht und Selbstverantwortung. Leider wird ein Großteil der Bevölkerung inklusive unserer Regierung nur bei akuter Bedrohung und aus Angst aktiv. Denn anders ist es ja nicht zu erklären, dass ein Virus, (welches zwar ein durchaus furchtbares Krankheitsbild hervorrufen kann und grob geschätzt bei 0,5% der Infizierten zum Tode führte, aber im Verhältnis zu anderen furchtbaren Krankheiten und sonstigen Lebensbedrohungen zahlenmäßig im Zeitgeschehen bisher eine eher geringe Rolle spielt), von den meisten ernster genommen wird als zum Beispiel der Klimawandel – auf dessen Katastrophen bis jetzt auch nur mit Sofortmaßnahmen in akuten Zuständen wie Hochwasser oder Waldbrände reagiert wird (und die bisherigen Natur-Katastrophen sind ja wahrscheinlich noch gar nichts – in Corona-Sprache: wir stehen erst am Anfang..).

Beide Krisen wären wahrscheinlich durch Vorsorge vermeidbar gewesen – und zwar teilweise durch die selben Maßnahmen, nämlich durch die Vermeidung einer unnatürlichen Be- und Überschneidung von Lebensräumen. Wir können also nun die Chance ergreifen und über die akute und das Urteilsvermögen lähmende Angst hinweg blicken – für die wir ja scheinbar durchaus bereit sind, Einschränkungen zu akzeptieren – und sie in eine kluge Voraussicht mit entsprechenden Handlungen oder Unterlassungen übergehen lassen. Das würde für unsere Regierung bedeuten, über die Zeit der nächsten Legislaturperiode hinauszudenken und eine Zukunft zu erschaffen, die zumindest auch für die Urenkel noch lebenswert ist.

Sollte sich jedoch an der momentanen Mentalität trotz dieser weltweiten „Generalprobe“ nichts ändern, so kann ich nur hoffen, dass es für die schwereren Klima- und Infektionskatastrophen der Zukunft besser geplante Sofortmaßnahmen gibt als für diese Pandemie. Es erstaunt mich immer noch, dass als erstes um Papiermasken, Schutzkleidung und medizinische Ausrüstung debattiert wurde, die alle nicht vorhanden und auch nicht schnell zu beschaffen waren. Ich hätte echt gedacht, dass wir besser vorbereitet wären. Man stelle sich vor diesem Hintergrund nur mal eine Pandemie vor, deren Sterblichkeit wirklich hoch ist.

Als Mitbürgerin habe ich nun stattdessen gelernt, dass es zwar weltweit Maßnahmekataloge für Pandemien in Schubladen gibt, für deren Abarbeitung aber die Voraussetzungen wohl gar nicht gegeben sind. Zügige Reihentests und vielleicht auch frühzeitige kurzfristige Reisebeschränkungen, um einen Überblick zu bekommen, Vorratshaltung wenigstens von medizinischen Wegwerfprodukten sowie auch die frühzeitige vorsorgliche Absage zumindest von Großveranstaltungen inklusive Massen-Saufgelagen UND natürlich generell genügend Gesundheitspersonal sowie von Beginn an (!) ein besonderes Augenmerk auf Einrichtungen, in denen viele Menschen auf engem Raum zusammen leben, arbeiten oder auch feiern, hätten uns meiner laienhaften Meinung nach vielleicht weitere Einschränkungen ersparen können – ebenso wie (auch aus den Maßnahmen resultierende) Todesfälle weltweit, deren Zahl wir wahrscheinlich niemals erfahren werden.

Stattdessen wurde und wird man Tag für Tag mit einem Zahlensalat und Berechnungsformeln berieselt, die keine praktische Aussagekraft für den einzelnen haben, aber doch wohl einigen die Illusion von Informiertheit vermitteln – und für zunehmende Angst in der Bevölkerung sorgten. Und während das Volk diskutiert, ob man eine tödlich verlaufende Influenza genauso schlimm finden darf wie Covid-19, haben weltweit Regierungen zunächst mal abgewartet (wir kennen das ja schon von Umweltthemen), obwohl sie im Gegensatz zu China und spätestens seit Italien vorgewarnt waren und für das allgemeine gesellschaftliche Leben recht unbedeutende aber wirksame Maßnahmen schon frühzeitig hätten ergreifen können (siehe oben). Vor allem, wenn Gesundheit wirklich so ein heiliges Regierungsziel ist, wie es derzeit den Anschein hat. Ärgerlich finde ich es, dass diese anfängliche Aussitzerei nun wahrscheinlich dazu führt, dass Kleinunternehmer in Depressionen versinken und Kinder lernen, dass Umarmungen und frische Luft ohne Maske gefährlich sind.

Wobei ich die Schuld gar nicht auf die Regierung oder auch „die Wirtschaft“ abwälzen will, denn all das spiegelt unsere Bedürfnisse, unsere Denkweise und unser Verhalten als Wähler und Verbraucher wieder. Und auch mit rechtzeitigen klima- und gesundheitsfreundlichen Entscheidungen ließe sich ja gutes Geld verdienen (oder auch einsparen), vor allem, wenn alle mitmachen dürften beim Wirtschaften. Das wiederum, nur mal so am Rande, wäre übrigens möglich, wenn Menschen ein sicheres Grundeinkommen hätten, mit dem sie aktiv und angstfrei eine gesunde Zukunft mitgestalten könnten. Dann gäbe es auch keine Menschen, die auf in jeder Hinsicht lebensverachtende Arbeiten in Schlachthöfen angewiesen wären – und nun in Absteigen gequetscht fern der Heimat Quarantäne und Angst vor Corona durchstehen müssen.

Wirtschaft und auch Gesundheitsvorsorge mitgestalten kann man jedoch auch jetzt schon durch ein Kaufverhalten, bei dem, soweit möglich, Systeme nicht unterstützt werden, die die Lebensräume von Tieren zerstören oder Tiere in Gefangenschaft bringen, um einen wie auch immer gearteten Nutzen aus ihnen zu ziehen. Um Mitmenschen, Tiere und Umwelt vorausschauend zu schützen, ist es wahrscheinlich effektiver und lebensbejahender, wenn ich meine Ernährung ändere als wenn ich meine Oma nicht mehr umarme.

Wer nun also meint, mir wären meine Mitmenschen egal, weil ich das Tragen einer Maske nicht in jeder Situation für sinnvoll halte und weil ich es auch alten Menschen selber überlassen möchte, wovor sie geschützt werden wollen, oder wer es unsolidarisch findet, wenn Menschen sich gegen eine Impfung entscheiden, der möge bitte erstmal sein Schnitzel aus dem Mund nehmen, bevor er das Verhalten anderer begutachtet. Wenn Menschen nicht darauf bestehen würden, Tiermilch im Kaffee oder Eier im Kuchen seien zwingend für ihre Lebensqualität, dann müsste ich als Veganer mir nun auch keine Maske aufsetzen, nachdem ich acht Wochen nicht vor die Tür durfte, weil es Viren gibt, die ohne den weltweit gesellschaftlich geförderten Umgang mit Tieren gar nicht gefährlich für die Menschheit wären.

Jeder muss selber entscheiden, wie er leben will und was ihm wichtig ist, viele machen ihre eigenen kleinen Schritte, um die Welt zu retten und meine Sympathien hängen nicht davon ab, ob jemand vegan lebt oder nicht. Aber wer die Einhaltung von Schutzmaßnahmen oder die persönliche Art, mit Krankheit umzugehen, bei anderen überwachen, selbstgerecht kommentieren oder sogar verurteilen möchte, findet vielleicht erstmal bei sich selber genug Potential für Veränderungen. Und wer auf Produkte der Tierausbeutung verzichtet oder sie reduziert, verhält sich neben dem eigenen gesundheitlichen Nutzen gleichzeitig solidarisch mit der ganzen Welt, vermindert neben ernährungsbedingten Krankheiten auch solche durch Viren und Antibiotikaresistenzen (was das Gesundheitssystem sicher mehr entlastet, als wenn nicht geimpfte Menschen keine Behandlung mehr bekommen), vermeidet somit auch die Notwendigkeit bestimmter Impfungen und furchtbarer Tierversuche, ersetzt Angst durch eigenverantwortliches Leben und leistet einen erheblichen Beitrag zum Tier-, Umwelt und Klimaschutz – und zur Volksgesundheit.

In diesem Sinne hoffe ich, dass wir alle gesund bleiben oder es wieder werden und „jedes Leben zählt“ nicht nur eine Phrase (oder gar ein Schlachtruf) bleibt, sondern die langfristige Lebensqualität aller Lebewesen wirklich mal in den Fokus weltweiten Handelns rückt.

7 Thoughts

  1. Hallo Janine, Du sprichst mir aus der Seele. Es gibt kein wirkliches Bewusstsein, dass wir das Übel an der Wurzel packen müssen. Es gibt bei der Mehrheit vielmehr diesen Drang, das Virus so schnell wie möglich los zu werden, um weitermachen zu können wie bisher. Keiner erkennt, dass der Klimawandel eine weitaus existenziellere Bedrohung darstellt als dieses (natürlich auch gefährliche) Virus. Und dass die Erwärmung auch das Auftreten von neuen Seuchen nach sich zieht. Wer weiß, was im schmelzenden Boden der Permafrost-Gebiete so alles lagert. Da gibt es vielleicht Viren oder andere Krankheitserreger, die durch das Schmelzen freigesetzt werden. In der Massentierhaltung entstehen antibiotikaresistente Keime, es könnten durchaus auch Viren mit Pandemie-Potential entstehen. Und trotzdem wird weitergemacht wie bisher…
    Es liegt an uns allen, dem etwas entgegen zu setzen, die Menschen aufzurütteln und auch selbst am eigenen Handeln etwas zu verändern. Ich danke Dir daher für diesen wirklich sehr gut treffenden Artikel und wünsche Dir ein schönes Wochenende. LG Torsten

    Gefällt 2 Personen

    1. Hallo Torsten, vielen Dank, ja beim eigenen Handeln anzufangen halte ich auch für die beste Idee – wäre natürlich schön, wenn man in Zukunft nicht mehr nur damit beschäftigt ist, auf akute (aber vorhersehbare) Situationen unvorbereitet zu reagieren. Und o je, über Erreger, die durch die Erwärmung freigesetzt werden, habe ich noch gar nicht nachgedacht.., also es sollte jedenfalls genug Gründe geben, nicht erst jeweils aufzuwachen, wenn eine Katastrophe schon da ist, um dann schnell ein paar Pläne rauszuhauen. Wenn es wirklich zu langfristigen Veränderungen führt, die das Leben für alle schöner macht, hätte es sich ja gelohnt.. Also ist man doch wieder bei sich selber, trifft Verbraucherentscheidungen, geht irgendwann wählen, schreibt einen Blog und versucht, gesund zu bleiben ;) Dir auch ein schönes Wochenende!

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